34 Dreiundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.
meint: „Fürsten können alles Gute“; „bei den mehresten
Bürgern“, schreibt Salzmann, „ist Fürst und unser Herre
Gott einerlei.“ Und nicht bloß als eine causa remota, wie
schon vielfach eben den Herrgott, nein als in jeder Kleinigkeit
gleichsam allgegenwärtig wirksam dachte man den Fürsten; und
die „Polizei“, die innere Regierung der absoluten Monarchie,
leistete dem mit ihren bis ins kleinste gehenden Verordnungen
starken Vorschub: in sterreich ist z. B. durch die am 8. Januar
1746 publizierte Wiener „Fasching- oder Ballordnung“ genau
festgesetzt worden, wer im Ballhause oder in der Mehlgrube
mit oder ohne Maske tanzen, und zu welcher Zeit er so
tanzen dürfe. Das ist der Zustand, der das Wort „erlaubt“
zu einem Lieblingsworte auch noch der zweiten Hälfte des
18. Jahrhunderts machte; man schwelgte in „erlaubten“
Freuden, erging sich in „erlaubten“ Festen. Doch nicht
minder glaubte man die Fürsten im Größten mächtig. So hat
Häberlin in seinem „Staatsrecht“ (1798) in uns nicht alsbald
verständlicher Richtung äußern können: „Würden erst unsere
Fürsten unterdrückt, so würde auch der deutsche Bürger wie
weiland der französische behandelt werden. und dann wäre die
Revolution unvermeidlich.“
Glaube an die Macht und Vertrauen zu dem Amte der
Fürsten führten nun dazu, jegliches Anliegen an erster Stelle
gern den Fürsten vorzutragen. So wendete sich z. B. die Presse
der Zeit mit ihren Beschwerden und Wünschen nicht so sehr
an die öffentliche Meinung oder an die Stände, als an die
Fürsten und ihre Umgebung; und wie grenzenlos und naiv
das damit bezeugte Vertrauen war, ergibt vielleicht nichts besser,
als ein Artikel der „Berliner Monatsschrift“ vom Jahre 1787
mit der Aufschrift „Ein neuer Weg zur Unsterblichkeit für
Fürsten“, in dem die Fürsten angeregt wurden, ihre Völker
durch Erziehung zur Selbstregierung zur Republik vor—
zubereiten, danach vom Thron zu steigen und die Einführung
der republikanischen Verfassung zu verkündigen. Dabei war
dies alles nicht etwa bloß Stimmung und Gefühl der Un—
mündigen. Lessing hat im „Nathan“ den konfessionellen