Object: Neueste Zeit (Abt. 3)

Weitere Kämpfe geg. Frankreich; Wiener Kongreß; Heil. Allianz. 495 
einziges Mittel, jener reinen Glückseligkeit teilhaftig zu werden, 
die aus einem reinen Gewissen entspringt, und die allein dauernd 
ist, sich täglich in den Grundsätzen und in der Ausübung der 
pPflichten zu bestärken, welche der göttliche Erlöser die Menschen 
gelehrt hat. Drittens. Alle diejenigen Mächte, welche diese 
geheiligten Grundsätze feierlich anerkennen wollen, werden mit 
ebenso großer Bereitwilligkeit als Liebe in den Bund auf— 
genommen werden.“ 
..... Diese Urkunde galt dem Zaren als Heiligtum. 
Nur den Souveränen in ihren erhabenen Revelationen bekannt, 
sollte sie über den Völkern als ein oberstes politisches Welten— 
gesetz im Schauer heiligen Geheimnisses segenspendend walten. 
Der Zar legte sie zunächst Friedrich Wilhelm vor. Der 
unterschrieb. Warum nicht? Das waren gut evangelische 
Gemeinplätze. Schwieriger, aber eigentlich doch nur verlegen 
bor dem zum Ereignis gewordenen Unbegreiflichen war Franz J. 
Ein wichtiges Geheimnis? Da wisse er noch nicht, solle er 
den Beichtvater fragen oder Metternich. Indes die Sache 
schien ihm interkonfessionell, nicht gerade katholisch. Er befragte 
Metternich. Metternich aber fand zwar unter diplomatischen 
Technikern später wohl das unheilige Wort, vom Standpunkte der 
Politik sei der ganze Vertrag „bloßes Geschwätz“. Dies hielt 
ihn aber nicht ab, alsbald das Vorteilhafte dieses Geschwätzes 
für eine restaurative Politik: für seine Politik einzusehen. Also: 
Franz unterschrieb. 
Und so unterschrieben allmählich alle wichtigeren Fürsten 
Europas; nach einem Wartenoviziat von drei Jahren auch 
Ludwig XVIII. von Frankreich. Entschuldigt fehlte der 
Prinz⸗Regent von England, er meldete sich an der Unterschrift 
durch die englische Verfassung behindert; ausgeschlossen wurde 
der Sultan; grollend abseits gehalten blieb der Papst. 
Das Schriftstück aber und die durch seinen Wortlaut 
gesicherte Tatsache der Heiligen Allianz ist für die politische 
Geschichte des 19. Jahrhunderts auf mehr als ein Jahrzehnt 
hin von der größten Bedeutung gewesen: erst um 1830 be—
	        
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