Neue Anschauungen von Staat und Gesellschaft. 43
klärern nahestehend, eine Übergangsnatur wie der im übrigen
ungleich festere Möser, stellt er den Begriff der Vaterlands⸗
liebe in den Mittelpunkt konkreterer Betrachtungen, als sie die
empfindsame Dichtung seit Klopstock gepflogen hatte. Und diese
Betrachtungen ergeben sich ihm als unmittelbares Erzeugnis
des großen Krieges: Patriotismus heißt ihm an erster Stelle
loyale Kampfesfolge gegenüber einem großen Herrscher, und
dann freiwillige, begeisterte Folge gegenüber einem Könige
überhaupt, der nicht mehr bloß die „Seele vieler Körper“,
sondern die „Seele der Seelen“ sein will.
Aber lag in diesem Patriotismus nicht etwas von dem
Strohfeuer der Empfindung, dem man bei Abbt so oft be⸗
gegnet? Verging seine Flamme nicht mit dem Verblassen der
großen Erinnerungen des Krieges? Schon in Abbts Schrift „Vom
Verdienste“ (1765) fehlt die metallene Klarheit, und bürgerliche
Ideale wirtschaftlichen und geistigen, nicht dagegen eigentlich
politischen Fortschrittes walten vor. Und so blieb es denn
im ganzen dabei: völlig elementar sollte sich in Deutschland poli⸗
tischer Sinn, in kleinen und kleinsten Anfängen, langsam, freilich
auch um so stetiger aus den Nebeln bloßer Ideen, die über
den realen politischen Gebilden lagerten, hervorgestalten.
Anfänge, in denen schon subjektivistische Motive, wie wir
sie früher kennen gelernt haben, die aufklärerischen stark über—
wiegen, führen hier nach Württemberg und Westfalen. In
Württemberg kam ein politisches Leben im Anschlusse an die
Kämpfe der Stände gegen den Despotismus des Herzogs
Karl Eugen zu früher Blüte. Dichter gaben hier zunächst der
allgemeinen Anteilnahme des Volkes Nahrung und Ausdruck:
so am frühesten (schon 1751) der Tübinger Oberamtmann
Huber, dann Hartmann in seinen „Jahresfeiern“, die die poli—
tischen Ereignisse der ersten drei Jahre nach dem Erbvergleich
von 1770 behandeln. Daneben lief eine Literatur zahl—⸗
reicher Flugschriften her und wurde ein höheres geistiges
Niveau der partikularen Kämpfe durch eifrige Lektüre der
Schriften des jüngeren Moser, der Abhandlung „Etwas vom
deutschen Nationalgeiste“ (1765), des Büchleins „Was ist gut