Dreiundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.
kaiserlich und nicht gut kaiserlich?“ (1756) und der „Patrio⸗
tischen Briefe“ (1767), gewonnen. Im Jahre 1774 aber
erhielt dann Schwaben in Schubarts „Deutscher Chronik“ ein
volitisches Journal von ungewöhnlicher Bedeutung, und ein
erster Höhepunkt der deutschen Publizistik neben den etwa
gleichzeitigen in Berlin, Göttingen und Balden bei Nördlingen
(Weckherlin) war damit erreicht. Ganz anders verlief die Ent⸗
wicklung in Westfalen. Sie war hier an den Namen
Mösers geknüpft, und ihr besonderer Charakter beruhte auf
der Tatsache, die wir bald noch genauer zu verfolgen haben
werden!, daß Nordwestdeutschland, insbesondere das Uferland
des Niederrheins auch im weiteren Sinne sich einer be—
sonders fortgeschrittenen wirtschaftlichen und sozialen Ent—
wicklung erfreute. Das erlaubte Möser in dem „Osnabrücker
Intelligenzblatt“ (1766—1782) eine große Anzahl von Vor⸗
schlägen zu wirtschaftlicher, sozialer und auch politischer Hebung
zu veröffentlichen, deren konkrete Fassung, freilich auch der
versönlichen Regierungsstellung des Verfassers mit verdankt,
weit über den Durchschnitt des Inhaltes und der Form sonstiger
Intelligenzblätter hinausführte.
Im allgemeinen aber begann die lebendige Beteiligung
der späteren, mit subjektivistischen Elementen schon gemischten
Aufklärung an der Politik mit einem Eindringen in den
untersten Kreis dieser überhaupt: mit den Problemen wirt—
schaftlicher Fürsorge. Und da war es wiederum, entsprechend
dem Charakter des nationalen Wirtschaftslebens der Zeit, ganz
an erster Stelle die Landwirtschaft, der man zu helfen bestrebt
war. Als Organe dieser Hilfe entstanden vielfach, im Sinne
fast einer Ergänzung zu der fürstlichen Merkantilpolitik und
insofern auch als Gegensatz gegen sie, zunächst landwirtschaft—
liche Gesellschaften: so 1763 in Thüringen, 1764 in Leipzig
und Celle, 1765 in Ansbach, seit 1767 in Wien, Prag, Graz,
Laibach, Linz, Brünn, Klagenfurt, seit 1770 in Breslau,
Potsdam und Hamm, späterer Gründungen nicht zu ge—
1S, unten S. 70ff.