Neue Anschauungen von Staat und Gesellschaft. 47
„Göttingisches Magazin der Wissenschaften und der Literatur“
tat. Aber inzwischen hatte vor allem Schlözer bereits den
vollen Übergang vom wissenschaftlich kritischen oder belehrenden
zum vorwiegend politischen Journal vollzogen; und sein
„Briefwechsel meist historischen und politischen Inhalts“, der
seit 1776 erschien, wie seine „Staatsanzeigen“ (178393)
bezeichnen den eigentlichen Höhepunkt der Entwicklung. In
Tausenden von Exemplaren wurden sie durch ganz Deutsch⸗
land hin gelesen; und namentlich die „Staatsanzeigen“, von
dem Herausgeber sorgsam in ganz bestimmter, folgerichtig fest⸗
zehaltener Richtung redigiert, wurden zu einer wirklichen
politischen Macht. „Was wird wohl Schlözer dazu sagen?“
pflegte Maria Theresia bei bedenklichen Maßregeln im Ge—
heimen Rate zu äußern; und Joseph II. hat die Schlözerschen
Hefte nicht einen Tag auf seinem Schreibpulte missen wollen.
Dennoch bezeichnet es erst die ganze Fruchtbarkeit der
Bewegung, daß neben Berlin und Göttingen im Norden und
neben Württemberg im Süden sich selbst in dem geistig damals
so armen Bayern noch ein weiteres Zentrum publizistischer
Tätigkeit entwickelte. Hier begann Weckherlin seine politische
Schriftstellerei 1778 mit dem „Felleisen“ und gab dann 1779
bis 1784 die „Chronologen“ und 1784 bis 1785 das „Graue
Ungeheuer“, seine beiden einflußreichsten Blätter, heraus, um
hnen bis 1792 noch die „Hyperboreischen Briefe“, die
„Paragraphen“ und die „Ansbachischen Blätter“ folgen zu
lassen.
Neben diesen hervorstechendsten Orten der Publizistik aber
hestanden noch zahlreiche andere; was zwischen 1770 und 1790
entstand, war in der Tat eine erste allgemeinere politische
Presse, der bis zu einem gewissen Grade auch schon ein
ournalistischer Beruf entsprach: man kann etwa ein halbes
Tausend Blätter rechnen, von denen mindestens etwa dreißig
dis vierzig als rein politisch gelten konnten und im Laufe
erst der beiden genannten Jahrzehnte entstanden waren; da⸗
neben gab es noch ebensoviel wichtigere Wochen- und
Intelligenzblätter, ebensoviel Zeitschriften vermischten Inhalts