Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

54 Dreiundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel. 
und von Loen, ein preußischer Beamter und Nationalökonom, 
wollte sogar durch ein staatliches „Ehekolleg“ untersuchen 
—DDD 
einander schickten“ Ja man gelangte eben in dieser Materie 
zu noch viel merkwürdigeren sittenpolizeilichen Vorschlägen, 
deren harmloseste etwa noch waren, daß Zusammenkünfte un— 
verheirateter Männer und Mädchen staatlich ebenso verboten 
werden sollten wie Klatschereien männlicher und weiblicher 
Gesellschaften über Abwesende. 
Dieser extremen Strömung stand dann freilich eine andere 
gegenüber, die für starke Beschränkung des staatlichen Eingriffs— 
rechtes eintrat; am meisten scheint sie in Hamburg zu Hause 
gewesen zu sein, und sicherlich war Reimarus einer ihrer ent⸗ 
schiedensten Vertreter. Aber grundsätzlich betrachtet war sie 
doch nur Reaktionserscheinung auf verstiegene Vorschläge der 
Gegenpartei, während sich beide Parteien in der Praxis über die 
Unwirksamkeit gewisser Zinstaxen und Luxusverbote und Ver— 
wandtes leicht einigten und somit teilweise zusammenfanden. 
Im ganzen, läßt sich daher sagen, erwartete man inner—⸗ 
halb der politischen Praxis von dem bestehenden Staate noch 
nicht weniger als alles. 
Und da trat denn für die Verwirklichung die unendliche 
Breite des inneren Staatslebens noch einmal ganz in den Vorder⸗ 
grund. Während man sich um äußere Politik nicht kümmerte, 
hatte man schon an deren wesentlichsten innerem Werkzeug, dem 
Heerwesen, Beträchtliches auszusetzen. Nicht nur daß die Zeit 
prinzipiell gegen die großen Heere eingenommen war: was hatten 
Heere angesichts der allgemeinen Friedensstimmung, die nach dem 
Siebenjährigen Kriege auf Jahrzehnte einzog, eigentlich über⸗ 
haupt noch für einen Zweck? Vor allem wurde wenigstens 
auf Menschlichkeit des Dienstes gedrungen; Mönche und Sol— 
daten, beide an sich „Schmarozer am Volkswohlstand“, sollten 
da in gleicher Weise entlastet werden. 
Allein mit diesen Wünschen war es der Zeit doch nicht 
in gleichem Grade Ernst wie mit den Forderungen auf dem 
weiten Gebiete dessen, was man Polizei nannte. Und hier
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.