Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

56 Dreiundzwanzigstes Buch. Erstes Lapitel. 
wegen, so griff man schließlich sogar die Schutzhandelspolitik 
an und begann für den Freihandel zu schwärmen. Doch 
tauchten diese Neuerungen zumeist erst gegen das Jahr 1790 
hin auf und fanden noch viel später erst weitere Verbreitung: 
bis sie, für die größere Menge der Gebildeten frühestens seit 
Mitte der neunziger Jahre, in Adam Smiths System des 
„Wéalth of nations“ die theoretische Begrundung in einem 
grundsätzlichen Egoismus fanden, der als solcher dem Geiste 
der Aufklärung völlig zuwider war!. Im ganzen darf man 
daher vielleicht sagen, daß der Geist des neuen Zeitalters, so— 
weit er in theoretischen Betrachtungen hervortrat, nirgends 
später zum Ausdruck gelangte als auf dem Gebiete des 
Wirtschaftslebens, demselben Gebiete, aus dessen praktischen 
Fortschritten doch zum großen Teile die sozialen Wandlungen 
und psychischen Reize hervorgegangen waren, denen er seine 
ursprünglichste Entstehung verdankte. Es ist ein eigenartiger, 
aber doch nur auf den ersten Blick paradoxer Zusammenhang. 
Das Auffallende schwindet, sobald man sich vorhält, daß die 
deutsche Volkswirtschaft, wenigstens soweit die Industrie in 
Betracht kam, auch in den neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts 
entschieden noch des Schutzzolles bedurfte und daß eben an der 
Frage Schutzzoll oder Freihandel der Übergang zum wirtschaftlich— 
subjektivistischen Denken in dieser Zeit am leichtesten gewonnen 
werden konnte, wenn nicht gewonnen werden mußte; und sobald 
man sich auch nicht verhehlt, wie außerordentlich schwer es den 
Anfängen neuer Kulturzeitalter jederzeit gewesen ist, bis zu den 
Elementen ihrer Wirtschaftsform und damit zu dem Geheimnis 
eines wichtigen Quells ihres besonderen Lebens vorzudringen. 
Smiths Buch ist zum ersten Male von Joh. Fr. Schiller über— 
setzt worden und in einem ersten Bande 1776, in einem zweiten 1778 bei 
Weidmann in Leipzig erschienen. Das spätere Urteil des Verlegers, daß 
das Buch zwischen 1776 und 1794 in Deutschland ganz wenig Beachtung 
gefunden habe, wird von Roscher in seiner „Geschichte der National— 
dkonomik“ auf Grund einer Durchsicht der populären nationalökonomischen 
Literatur und auch der gelehrten und politischen Journale für diefe Zeit 
bestätigt.
	        
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