70 Dreiundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.
dringende Staatsmänner abgegeben, wie den Minister v. Heinitz!.
Das geistige Leben in Leipzig aber, das so früh vollendete
Stufen des jungen Subjektivismus erklomm?, wird in seiner
Entfaltung erst auf dem Hintergrunde dieser kursächsischen Ent⸗
wicklung vollends verständlich.
Neben dem sächsischen Industriestaate im Herzen Deutsch-
—DD—
und unvermerkt, in einer sich allmählich abwandelnden Praxis,
in das öffentliche, wirtschaftliche und soziale Dasein des Sub⸗
jektivismus hinüber. Entscheidend war dabei, wie in Sachsen,
die alte Bedeutung des Handels, daneben auch industrieller
Fortschritt.
Was der Handel am Rhein und in Westfalen vermochte,
das tritt vielleicht in dem Wesen und Handeln keines der
Staatsmänner der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts klarer
hervor als in dem Mösers. Möser, der schon in jungen
Jahren die verantwortlichsten Amter seines kleinen Heimats—
staates Osnabrück zu bekleiden begonnen hatte, und der seit
dem Ende der vierziger Jahre sich auf mehr als ein Menschen—
alter, bis zu seinem Tode im Jahre 1794, immer stärker zum
eigentlichen Regenten des Bistums entwickelte, war im Grunde
rein Staatsmann, der praktisch wie auch wirtschaftlich der
Hauptsache nach an den Grundlagen des mittelalterlichen
Staatswesens als den auch für die Gegenwart noch maß—
gebenden festhielt. So konnte er sich staatliche Rechte nicht
ohne Voraussetzung eines gewissen Grundeigentums denken,
wie ihm denn der Grund und Boden, historisch aufgefaßt,
durchaus als im Bodenregal des Staates befindlich erschien;
so hielt er an der rechtlichen Trennung der Stände als an
etwas ebenso natürlich Gegebenem als Gottgewolltem fest: und
so erschien ihm, in der Kombination beider Gesichtspunkte, der
Bauer als der eigentliche Träger des Staates und der mensch—
lichen Entwicklung. Und diese Grundlagen seines Denkens
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S. Bd. VII, 2, S. 780.
Bgl. Bd. VI, S. 450 ff.; VII, 1, S. 301 ff.