Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

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Vierundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel. 
den Namen der Nazarener gab. Da war Philipp Veit (1793 bis 
1877), dem im Vergleiche mit Overbeck ein etwas weltlicherer Zug 
eignete, der Schöpfer des Freskenkreises im Westchor des Mainzer 
Domes, und neben ihm Eduard Steinle (1810-1886), der 
größte Kolorist der Gruppe, vornehmlich in Frankfurt und am 
Dberrhein tätig. Die bedeutendsten aber blieben doch wohl 
Führich und Schnorr von Carolsfeld. Von diesen war Joseph 
Führich (1800-1876) Overbeck verwandter, wenn er auch, 
jünger als dieser, dem kommenden Realismus vor allem in 
der Lebendigkeit der Komposition, weniger in der Farbe Zu— 
geständnisse gemacht hat. Zudem hatte er Dürer mehr studiert; 
das warf ihn ins Markige und Deutsche und gab ihm auch 
die Neigung, für den Holzschnitt zu schaffen, zumal er den 
Stift besser führte als den Pinsel: und gerade seine großen 
Holzschnittfolgen, der Bethlehemitische Weg, der Verlorene 
Sohn, die Illustrationen zu Thomas von Kempen sind mit als 
die innerlichsten Offenbarungen des Nazarenertums in weite 
Kreise der Nation gedrungen. Aber auch Schnorr (1794-1872) 
folgte mit seinen besten Eingebungen gern dieser volkstümlichen 
Richtung. Im übrigen war er einer der wenigen Meister 
der Gruppe, die Protestanten blieben. Und dementsprechend 
war ihm allerdings auch ein weiteres Arbeitsfeld und ein 
mehr weltlicher Zug eigen. Gewiß knüpfte er dabei in seinem 
Alter mit der Bibel in Bildern (1860) noch einmal ganz an 
die christlichen Ideale seiner Jugend an; doch übertrug er 
den Stil der Nazarener, nicht ohne Zugeständnisse an den 
wachsenden Kolorismus der Zeit, auch auf die deutsche Helden— 
sage und sogar schon auf das Geschichtsbild, und insofern sind 
der Nibelungenzyklus in den Sälen des Münchner Königsbaus 
und die Szenen aus der mittelalterlichen Kaisergeschichte in 
den Festsälen des Kaiserbaus (1827 f.) seine bezeichnendsten 
Werke. 
War er aber nicht mit alledem zugleich der Künstler, der 
aus den rein religiösen und gleichsam christologischen Bahnen 
des romantischen Subjektivismus hinüberführte in die Welt 
des historisch und landschaftlich Nationalen: dessen, was wir
	        
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