Die Frühromantik.
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zeigte in ihm im Grunde etwas völlig Anderes, als die
„Willkür eines bis zur Vollendung gebildeten Geistes“. Was
ihm am Herzen lag, war die Erziehung einer schönen Seele
zur Harmonie: und diese Harmonie schien ihm nicht er—
reichbar ohne eine gewisse Resignation, die den Romantikern
ursprünglich fern lag: die aber dem wirkenden Menschen des
subjektivistischen Zeitalters im Blute liegen muß, will er ge—
sund bleiben.
Es sind Gedanken und Tendenzen, die hinüberführen zum
Faust. Der erste Teil der Tragödie ist 1808 erschienen, mitten
im romantischen Treiben, während Abschnitte aus ihm schon
1790, in seinem Beginne, veröffentlicht worden sind; der zweite
Teil wurde vollständig erst nach Goethes Tode, 1832, ver⸗
öffentlicht: nahezu zwei Menschenalter hatte der Dichter immer
und immer wieder an dem Werke gearbeitet.
Wir ahnen, was das bedeutete. Nicht wie ein ab—
gezirkeltes Kunstwerk mutet die Dichtung an oder wie ein
rasch gereiftes Erzeugnis, das einheitlich empfangener und
unbedingt durchgeführter Phantasie und Überlegung sein Da—
sein verdankt; wie ein Mensch ist sie vielmehr, ein ganzer
Mensch mit seinem Widerspruch und seinem Geheimnis; ja
mehr noch: wie das künstlerisch geformte Schicksal einer Nation,
einer Welt in einem ganzen Zeitalter; neben das Nibelungen⸗
lied als ein Erzeugnis des Mittelalters stellt sie sich damit,
eine moderne dramatische Epopöe, und neben die homerischen
Gedichte als das poetische Spiegelbild einer noch ferneren Urzeit.
Denn in ihr lebt sich das Walten des Subjektivismus über—
haupt aus, wie er im raschen Zeitmaße einer fast ausschließlich
geistigen Entwicklung von sentimentalen Anfängen zu der
mystischen Vollendung der Romantik, ja über sie hinaus zu
dem Wirklichkeitsdrange des Realismus fortschreitet: und nach
seinen Phasen wechseln in ihr Stil und Empfindung, Kom—
position und Formgebung des einzelnen. Denn wie Hans
Sachsische Knittelverse die eigentliche Tragödie eröffnen, ein
Zeugnis frühester Patriotismen des Sturmes und Dranges, wie
die Sprache einzelner Szenen des ersten Teils bald rückwärts