Die Spätromantik.
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zweiten freilich am Rheine vielfach verwandt, führte gleichzeitig
mit den Jugendjahren Richters schon zu noch vollerer Farbe —:
bis schließlich auch sie in einer gemäßigteren, aber nun fast
schon rein realistisch zu nennenden Palette aufging.
Wilhelm Schadow, der Sohn Gottfrieds, des Berliner
Bildhauers, einer der Nazarener, wurde im Jahre 1826 Di—
rektor der Malerakademie in Düsseldorf. Er hatte von seinem
Vater eine Neigung auf technische Gediegenheit geerbt; und
er war der einzige in der Maljugend deutscher Nation in Rom
gewesen, der sich den Einflüssen der dortigen, schon stark kolo—
ristischen französischen Malerkolonie zugänglich erwiesen hatte.
Zum tüchtigen Lehrer gereift und mit der Verantwortlichkeit
der Akademieleitung betraut, meinte er jetzt wenigstens die
schwächeren seiner Jünger zu energischem Naturstudium an—
halten zu müssen: die Begabteren freilich würden dessen wegen
ihres stärkeren Formengedächtnisses nicht bedürfen. Gewiß war
er dabei noch der Ansicht der Nazarener, wie sie Schelling viel⸗
leicht am besten formuliert hatte, daß die schöne Form nur Wert
habe, insoweit sie Ausdruck des Inhaltes sei; der Gedanke
war ihm noch die erste, dessen Verwirklichung in Form und
Farbe erst die zweite Tat des Künstlers. Allein deshalb lehrte
er doch, daß der Künstler zwar zuerst einen poetischen Gedanken
im zeichnerischen Entwurfe niederlegen müsse. Aber dann müsse
diese Komposition mit Modellen behandelt werden. Und darauf
sei eine Farbensktizze unter Prüfung der Licht- und Schatten⸗
verteilung wie des Tones und der Farbe an einem Ensemble
von Modellen, gleichsam wie an einem lebenden Bilde her—
zustellen: worauf erst dann die Ausführung beginnen solle.
Es war ein Verfahren, das freilich einem lebhaft vor—
wärts gerichteten Künstler wie z. B. Anselm Feuerbach schon
in den vierziger Jahren unerträglich war: „Schadow verlangt
immer großartige Ideen in der Komposition, und die Aus—
führung will er nach gewissen Regeln haben, die er mit dem
Lineal anzugeben weiß.“ In den zwanziger und dreißiger
Jahren jedoch führte Schadow seine Schüler in der be—
geisterten Annahme seines Verfahrens noch vorwärts. Und