Die Spätromantik.
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wiederkehrenden Schattierung, im Konservatismus des Her⸗
gebrachten, das in gutem Geschmacke unter einigem persön⸗
lichen Zusatz variiert wird, in Stimmungen und Neigungen,
die auf politischem Gebiete gleichzeitig Stahl in stärkerem Ak—
zente zu vertreten begann. In Meyerbeer in den Regungen
eines das Vergangene dekomponierenden, aber nicht zu schöpfe—
risch Neuem umschweißenden, sondern auf den bloßen Effekt
richtenden Ehrgeizes, der nur durch die Furcht vor Mißerfolgen
gezügelt wurde. In Heine, im geraden Gegensatze zu Mendels⸗
sohn, in einem alle Inhalte zersetzenden Radikalismus, dem
nur eine raffinierte Pflege der Form wenigstens beinahe aus⸗
nahmslos heilig war:
Die Veilchen kichern und kosen
Und schau'n nach den Kronen empor.
Heimlich erzählen die Rosen
Sich duftende Märchen ins Ohr.
Es hüpfen herbei und lauschen
Die frommen, klugen Gazell'n,
Und in der Ferne rauschen
Des heiligen Stromes Well'n.
So hat Heine vor allem auch in der Form nachgewirkt.
Wie viele Elefantennaturen haben, um eine Anschauung der
eben zitierten Verse aufzunehmen, das lässig elegante und doch
so wohl kontrollierte Hüpfen dieser graziösen Gazelle nach⸗
zuahmen gesucht! Vergebens natürlich: denn eben dies war die
einzigartige Stellung Heines in der Entwicklung der deutschen
Dichtung, auf den Verfall des unerhörten Formenreichtums
namentlich der romantischen Lyrik zu treffen, und aus ihm in
persönlicher Umbildung aufzuraffen, was sich effektvoll, pikant
und in strengstem Feilen scheinbar läßlich gestalten ließ.
Fast mehr noch hat Heine auch die romantischen Inhalte
dekomponiert. Die deutsche Lyrik hat immer etwas Reflekto—
risches gehabt, und am wenigsten fehlte diese Ingredienz der
Romantik. Es ist ein Zug, der, verstärkte er sich, gerade
deutsche Dichter immer so leicht zur Satire getrieben hat. Bei
Heine setzte sich diese satirische Reflexion nun geradezu und nur