Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Spätromantik. 
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als ob die Menschheit, in ihrem Schifflein auf einem über— 
gewaltigen Meere umhergeworfen, an einer moralischen See— 
krankheit litte, deren Ende kaum abzusehen ist.“ 
IV. 
Überschauen wir die weiten Gefilde der Phantasietätigkeit 
der Spätromantik, wie wir sie in den bisherigen Abschnitten 
dieses Kapitels, von der Musik über die bildende zur dar— 
stellenden Kunst durchwandert haben, so ist der allgemeine Ein⸗ 
druck der in ihnen immer wieder hervorblickenden, sie um— 
fassenden und durchtränkenden Entwicklung nicht zweifelhaft. 
In tausend Schattierungen, bei mancherlei Umwegen und Ver—⸗ 
hüllungen, wie sie der versiegenden ästhetischen Schöpferkraft 
entsprachen, führt der Verlauf vom Enthusiastischen zum Über— 
legten, vom Mystischen zum Rationalen — von der Phantasie— 
tätigkeit zur Wissenschaft. Und diesen Prozeß zu verfolgen, 
war um so reizvoller, als er sich im Grunde rasch vollzog. 
Wie hurtig doch eilte die Dichtung von der subjektiven zur 
objektiven Romantik und von dieser zum Historismus! Und 
wie schnell wandelten sich damit, besonders deutlich in der 
Lyrik, auch ihre Formen selbst da, wo es nach wie vor auf 
den Ausdruck bloßer Gefühle ankam! Wie nicht minder reißend 
vollzog sich aber auch in der bildenden Kunst der Übergang 
von der zarten Linienkunst der Nazarener zu dem primitiven 
Kolorismus Schadows und von da zu einem immer stärker 
werdenden Historismus der Malerei, dem in der Architektur 
alsbald eine mit sehr entschiedenen Zeitmomenten ausgestattete 
Renaissance der Gotik zur Seite trat. Ja selbst in der Musik 
bildeten sich aus Lied und Spiel bald neue feste Formen, und 
bei den letzten großen Meistern machte sich sogar schon eine 
neue, objektivere Kristallisation der Instrumentalmusik in erstem 
Aufschießen bemerkbar. 
Es mag wohl sein, daß die Schnelligkeit dieses Verlaufes 
an erster Stelle der hohen Kulturstufe verdankt wurde, auf 
der die Begebenheiten sich abspielten. Hohe Kultur bedeutet
	        
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