Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Spätromantik. 
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Prozeß; wir werden gut tun, ihn eingehend zu verfolgen. 
Soll dies aber mit Aussicht auf Verständnis geschehen, so sehen 
wir uns gezwungen, in der Geschichte der Wissenschaft ziemlich 
weit zurückzugreifen: bis zu jenen Stellen, an denen die Dar— 
stellung ihrer Entwicklung in einem früheren Bande abbrach!. 
Im Verlaufe des 17. Jahrhunderts hatten die Naturwissen⸗ 
schaften den ersten Aufschwung ihrer Geschichte erlebt, so wie 
sie die modernen Völker Europas bisher der Hauptsache nach 
entwickelt haben, und wie ihre Entfaltung in dieser Zeit und 
ihre spätere Fortbildung hier unter häufigem Hinausgreifen 
auch über den nationalen Rahmen zur Sprache kommen muß. 
Das Prinzip der quantitativen Forschung war damals in ihnen 
durchgesetzt, der Gesichtspunkt der mechanisch-mathematischen 
Naturbetrachtung gewonnen worden. 
Der Aufschwung des Denkens, der zu dieser Ausgestaltung 
der Naturwissenschaft führte, hatte im 16. und 17. Jahrhundert 
von zwei Seiten her eingegriffen: von der schärferen und 
sichreren Anwendung der Induktion und von der klareren 
Formulierung allgemeiner deduktiver Elemente her: Experiment 
und mathematischer Kalkül hatten gleichmäßig die neue Wissen— 
schaft aus der Taufe gehoben. 
Zur vollen Aufklärung dieses Zusammenhanges muß mit 
zwei Worten selbst bis ins Mittelalter zurückgegangen werden. 
Zwar durchaus nicht der einzige, wohl aber der gewöhn⸗ 
liche Schluß des mittelalterlichen Denkens in seinen klassischen 
Zeiten war der Analogieschluß gewesen: er war das wesentliche 
Mittel zur Erweiterung der noch sehr gering entwickelten Er— 
fahrung. Sein Korrelat auf dem Gebiete des allgemeinen, 
deduktiven Denkens aber war, wie früher eingehend begründet 
worden ist?, der Wunderglaube; auf diesem fußte vor allem 
das dogmatische Glaubenssystem der Kirche. Dementsprechend 
bewegte sich das fortschreitende Denken des Mittelalters nach 
der Seite der Erfahrung und nach der Seite der allgemeine 
Band VII, 1, S. 67 ff. 
2 S. Band VII, 1, S. 56 ff. 
Lamprecht, Deutsche Geschichte. X.
	        
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