200 Vierundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel.
Bekanntmachung im Jahre 1796 es beinahe gewiß zu werden
schien, daß die Wärme eine Art von Bewegung sein müsse;
und in ein solches Wesen der Wärme schien dann auch die
Entdeckung Herschels vom Jahre 1800, daß es in dem jenseits
der roten Farbe gelegenen Ende des Sonnenspektrums Strahlen
gäöbe, die, für uns dunkel, stark erwärmen, einen seltsamen
Einblick zu eröffnen. Freilich wußte die Zeit mit dieser Er—
scheinung einstweilen nichts anzufangen, obgleich sie eine voll—
kommene Analogie zwischen Licht- und Wärmestrahlen schon
recht nahe zu legen schien.
Sollte nun bei diesem Stande des Wissens in der Wärme—
theorie die Lehre von der Elektrizität schon besser gefördert ge—
wesen sein? Man kannte zunächst fast nur die Reibungs—
elektrizität, und auch die Lehre von dieser hatte die zweite
Hälfte des 18. Jahrhunderts von der Vorzeit noch fast in den
Kinderschuhen übernommen, wenn auch Dufay 1733 den elektri—
schen Gegensatz entdeckt hatte und ihm schon 1729 der Eng—
länder Grey in der Unterscheidung von Leitern und Nicht-
leitern vorangegangen war: was dann die Konstruktion des
Blitzableiters durch Franklin ermöglicht hatte. Etwas später
machte man aber doch große Fortschritte in der Kenntnis elektri—
scher Vorgänge. Im Jahre 1792 wurde die tierische Elektri—
zität durch die Froschexperimente Galvanis bekannt; andere
Formen einer Elektrizifät, die zunächst als Kontaktelektrizität
bezeichnet wurde, ergaben sich in den Erscheinungen der Volta—
schen Säule: bis Volta die Identität dieser Formen nachwies.
Aber über die Vorgänge selbst hinaus ins innere Ver—
ständnis der neuen Kraft einzudringen gelang noch nicht. Im
ganzen handelte es sich damit doch nur um erste Forschungs—
feldzüge auf einem noch dunklen Gebiete.
Betrachtet man indes das ganze große Feld der anorgani—
schen Naturwissenschaften, so war das Gesamtergebnis der
physikalischen Wissenschaften gegen Schluß des 18. Jahrhunderts
doch immerhin schon nicht ohne Bedeutung. Weit weniger
jedenfalls, als die Physik, war die Chemie entwickelt. Sehr
begreiflich. Denn die wissenschaftliche Chemie ist erst als