Die Spätromantik.
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Maschinen, als Träger einiger besonderer, individueller Eigen⸗
schaften wurden ihre Objekte erfaßt.
Es war beinahe zu derselben Zeit, da in Deutschland
Haller bereits auf viel tieferen Einsichten beruhende sogenannte
natürliche Systeme zu begründen suchte, wie als Dichter so auch
als Naturforscher ein früher und glänzender Vorläufer des
Subjektivismus 1. Allein es ist bezeichnend, daß er damit nicht
durchdrang. Auf dem Gebiete der Botanik haben, nach an—
regenden Vorversuchen Joseph Gärtners in seiner Karpologie,
erst die beiden Jussien, insbesondere der jüngere von ihnen in
seinem Buche Genera plantarum secundum ordines naturales
disposita, 1789, die organischen, inneren Verwandtschafts⸗
beziehungen der Pflanzen ihrer Einteilung zugrunde gelegt;
erst der ältere de Candolle (1778 —1841) hat dann das System
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und Formenverhältnisse auf gewisse Ursachen zurückzuführen
und somit das primär Wichtige in der Symmetrie der Pflanzen
hervorzuheben bestrebt war — und noch tief in das 19. Jahr—
hundert hinein ist das alte Linnésche System für das Heer
der Pflanzensammler von populärer Bedeutung geblieben, so
sehr schon die Naturphilosophie der ersten Jahrzehnte des Jahr—
hunderts in richtiger Ahnung der tieferen Zusammenhänge für
die Aufnahme des natürlichen Systemes eingetreten war. Und
nicht besser ist es der Entwicklung eines natürlichen Systemes der
Faunga ergangen. Gewiß hat hier Cuvier angebahnt, was schon
Haller gefordert und selbst versucht hatte; seine Aufsätze über
die Anatomie und die Verwandtschaftsverhältnisse der Würmer
(1795) und seine Vorlesungen über die vergleichende Anatomie
(1800 - 1805) gaben eine erste natürliche Übersicht; schon fand
er das Gesetz der Korrelation, wonach jedes organische Wesen
ein Ganzes bildet, dessen Teile mit innerer Notwendigkeit
wechselseitig verbunden sind, und damit einen der wichtigsten
Wegweiser für die weitere Durchbildung der vergleichenden
Anatomie und der Entwicklungslehre; und selbst auf den Bau
1 S. dazu Band VIII, 2, 416 ff.
Lauprecht, Deutsche Geschichte. X.