328 J Fünfzehntes Buch. Zweites Kapitel.
er sich als den einzigen wehrhaften Stand der Nation hatte
rühmen dürfen! Längst waren die Heere aus dem Zulauf der
Landsknechte beschickt worden, und eben Kaiser Max, der letzte
Ritter, hatte dieser Heeresart Halt und Organisation gegeben.
Wozu also noch der ritterliche Adel? Die Meinung auch ruhig
denkender Männer war, daß er in den Bürgerstand aufgehen
müsse.
In der That hätte der Adel diesen Vorwürfen und dem
eignen Verfall nur entgehen können, hätte er ein neues Ideal
nationalen Dienstes verfolgt. Aber davon blieb er, wenigstens
in den Gebieten des Mutterlandes, weit entfernt. Er begann
endgültig geldwirtschaftlichen Erwerb zu verabscheuen; er ver—
mied es auch, Landwirtschaft im großen zu treiben, wie der
Adel der Kolonialgebiete. Unbeweglich horstete er auf seinen
Burgen in starrem Konservatismus; wie bisher sollte ihn auch
ferner der grundholde Bauer ernähren. Damit knüpfte er sein
Geschick an das wirtschaftliche Schicksal der bäuerlichen Welt;
und da er von deren Überfluß lebte, so mußte ihn das volle
Unglück seiner Grundholden im 15. Jahrhundert noch früher
treffen, als diese selbst. Seit etwa 1450 ist dieser Zusammen⸗
hang klar; das Dasein des Adels wird wirtschaftlich erbärm—
lich, sittlich verworfen; ganz anders, als bisher, tritt das
Raubritterwesen auf und wird als berechtigt betrachtet.
Gleichzeitig aber erstarkten die Territorien. Konnten die
Fürsten, deren erstes Bestreben die Ruhe ihrer Länder war, die
jeder Gewaltthat geneigte Lebenshaltung des Adels billigen?
Sie gingen gegen den räuberischen Territorialadel vor, so
namentlich im Bayrischen und Brandenburgischen; sie suchten
zugleich da, wo, wie in Franken und am Rhein, eine zahlreiche
Reichsritterschaft zu voller Unabhängigkeit saß, diese zu unter—
drücken.
Es waren Zustände, die schon um die Wende des 15. und
16. Jahrhunderts zu einer allgemeinen Spannung zwischen
Fürsten und Adel, Reich und Reichsritterschaft führten. Und
noch schien der Adel hier und da kräftig genug, um sich selbst
zu helfen. In Schweinfurt stellte im Jahre 1507 eine Anzahl