Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Frühromantik. 
gewisse seelische Gleichgewichtsstörung der am Fortschritte be⸗ 
sonders beteiligten Individuen wie schließlich der ganzen Zeit: 
die alten geistigen Zusammenhänge gehen verloren; neue stellen 
sich nicht alsbald ein; man geht in der bloßen naturalistischen Auf⸗ 
nahme des Neuen auf. Solche Zeiten sind nun stets von hoher 
Suggestibilität, wie Zeiten neuer Dominanten und Idealismen 
nach ihnen Momente der Synthese, der Konzentration zu sein 
pflegen. Suggestiv wirken kann aber das Werdende wie das 
Gewordene: und so gibt es eine suggestive Begeisterung für 
das Alte, einen konservativen Fanatismus, wie einen Neo— 
logismus, der, mit Läßlichkeit gepaart, schön findet, was 
kommen mag. 
Fanatismus und Neologismus sind Wesenserscheinungen 
der Anfänge der ersten wie der zweiten subjektivistischen Periode 
gewesen. Allein wie verschieden haben sie sich doch in beiden 
Fällen geäußert! Im 18. Jahrhundert waren die fanatischen 
Elemente duͤnn gesät; erst seit der Romantik sind sie in Staat 
und Kirche stärker hervorgetreten; dagegen herrschte die Läß— 
lichkeit eines optimistischen Kosmopolitismus, der sich sogar zur 
Vaterlandsliebe nur langsam bekehrte. Wie erweitert erscheint 
dagegen die Suggestibilität der jüngst verflossenen Zeiten, der 
Anfänge der zweiten subjektivistischen Periode! Da tritt uns 
auf kirchlichem Gebiete der Klerikalismus, auf staatlichem und 
nationalem der Chauvinismus entgegen, ganz zu geschweigen 
von den politisch⸗wirtschaftlichen und politisch-sozialen Egoismen, 
von der Unduldsamkeit auch, die in künstlerischen und wissen— 
schaftlichen Kreisen als etwas Selbstverständliches gilt. Und 
leise nur regt sich erst ein jüngster Optimismus anknüpfend 
an alle Bestrebungen, eine neue ideale Kultur zu entwickeln; 
und reiner Sinn für die Größe der alten Zeiten wie ein alle 
Erdenräume siegreich umfassender Kosmopolitismus dienen ihm 
als Stütze. 
Aber auch wenn wir die Suggestibilität, einen sehr um— 
fassenden Begriff, in ihre Teilvorstellungen zerlegen, ergeben 
sich bemerkenswerte Unterschiede. 
Gewiß ist die Autosuggestion beiden Perioden gemeinsam;
	        
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