Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Frühromantik. 
13 
Theosophismus und Spiritismus, Medianismus und Okkultis— 
mus tief tief hinab bis zum Satanismus und zum Gesundbeten 
der Christian science! Dazu neben dem mystischen Neologis- 
mus noch eine besonders unangenehme Form der Autosuggestion, 
die Sensationsmacherei nicht aus Bedürfnis, die auch das 
18. Jahrhundert schon kannte, sondern aus Geschäft! Und dem— 
entsprechend ein Haschen nach Originalität um jeden Preis, 
das, namentlich in den ausübenden Künsten der Mimik und 
Musik, in ständiger Begriffsverwechslung von Genial und Ge— 
sucht dahintaumelt. 
Prüfen wir weiterhin die negativistischen Formen der Auto⸗ 
suggestion vom einfachen satirischen Hange bis zum Herostraten⸗ 
tum, so treten uns verwandte Beobachtungen nochmals ent—⸗ 
gegen: hier die gutmütige Satire eines Rabener und Lichtenberg, 
die kaum überhaupt in diesen Kreis zu ziehen ist, daneben erst 
in den Zeiten der Romantik Jronie und Weltschmerz, doch 
noch ohne vitalen Pessimismus: dort dagegen voller Pessi— 
mismus und zerstörender Anarchismus, zum Charakterzug ge⸗ 
wordene Lust am Zweifel, grundsätzliches Behagen am Relati— 
vieren und Zersetzen ja Umwerten womöglich aller Werte — 
und, zu den Zeiten des vollen Naturalismus, das gänzliche Ver— 
sagen fast von einfacher Satire und von Humor als zu harm⸗ 
losen Außerungsformen des Negativismus. 
Gehen wir endlich noch einen Schritt weiter hinein in 
jene wunderliche psychische Welt, in der sich Neologismus und 
Negativismus im Schaffen bisher verworfener Werte, in der 
Ausprägung vor allem des Perversen treffen, so ist das Re— 
pertorium der hierher gehörigen Erscheinungen der ersten Periode 
erst recht mit wenigen Worten umschrieben. Was sich findet, 
gehört zudem fast ganz erst der Zeit jenseits des Klassizismus, 
an erster Stelle der Romantik an. Hierhin läßt sich schon der 
Umstand ziehen, daß in der romantischen Dichtung, namentlich 
der Frühzeit, die Form so häufig über den Inhalt siegt: also 
das Unwesentlichere über das Wesentlichere gesetzt wird. Diese 
auf den ersten Blick vielleicht befremdliche Einschätzung wird 
wohl doch als zutreffend erscheinen, sieht man, wie formale
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.