Die Spätromantik.
255
lehrt, daß sich gerade in der Verquickung von Denken und Sein,
in dem ontologischen Irrtum, der auch Hegels System noch
kennzeichnet, ausnahmslos ein gewisser Enthusiasmus, etwas wie
Romantik des Denkens am längsten erhält. Oder haben nicht
etwa die Eleaten der griechischen Philosophie und die helleni—
schen Denker hin bis auf Plato unter einer Art berauschender
Wirkung des ontologischen Irrtums gestanden? Und wird
nicht eben diesem dionysischen Zuge jene Ideenlehre des großen
Atheners verdankt, die niemand anders in modernen Formen
wieder aufgenommen hat, als die Vertreter der deutschen Identi⸗
tätsphilosophie, ein Schelling, ein Hegel? Erst nach ihnen ist die
Philosophie der modernen europäischen Völker ganz der Tatsache
inne geworden, daß Verstandesnotwendigkeiten und Erfahrungs⸗
tatsachen zweierlei sind, und daß die letzteren nicht so ohne
weiteres durch intellektuelle Schlußmethoden geschaffen werden.
Erscheint somit das logische Motiv des Aufbaus auch des
— D
über seine praktische Anwendbarkeit für die Einzelforschung, bei
einiger Umbiegung seines Sinnes, noch nichts ausgesagt. Und
in diesem Zusammenhange nun erwies sich die triadische Dia—
lektik Hegels allerdings als außerordentlich fruchtbar. Denn
wie man die Dinge auch ansehe: es ist eine Tatsache, daß
die geschichtliche Bewegung sich häufig in hastender Voraus—
nahme eines künftigen Lebensprinzips, Reaktion dagegen und
schließlicher Entwicklung eines Mittleren zwischen Erstrebtem
und Erreichtem vollzieht. Und da dieser Verlauf auf sehr
fundamentalen Ausstattungen und Äußerungen des Seelen—
lebens, nämlich auf der schöpferischen Kraft der Phantasie
und auf dem Gesetze der psychischen Reaktion beruht, so ist
man wohl berechtigt, mit seiner Erkenntnis einen Teil auch
des sozialpsychischen und das heißt des kulturgeschichtlichen
Entwicklungsmechanismus bloßgelegt zu sehen. Wurde nun
aber diese psychische Erscheinung in der Praxis der historischen
Forschung und Betrachtung nicht eben durch die Anwendung
der logischen Trias Hegels wenn nicht gedeckt, so doch ständig
angedeutet? Aus diesem Zusammenhange erklärt es sich, wenn