Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Spätromantik. 
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lehrt, daß sich gerade in der Verquickung von Denken und Sein, 
in dem ontologischen Irrtum, der auch Hegels System noch 
kennzeichnet, ausnahmslos ein gewisser Enthusiasmus, etwas wie 
Romantik des Denkens am längsten erhält. Oder haben nicht 
etwa die Eleaten der griechischen Philosophie und die helleni— 
schen Denker hin bis auf Plato unter einer Art berauschender 
Wirkung des ontologischen Irrtums gestanden? Und wird 
nicht eben diesem dionysischen Zuge jene Ideenlehre des großen 
Atheners verdankt, die niemand anders in modernen Formen 
wieder aufgenommen hat, als die Vertreter der deutschen Identi⸗ 
tätsphilosophie, ein Schelling, ein Hegel? Erst nach ihnen ist die 
Philosophie der modernen europäischen Völker ganz der Tatsache 
inne geworden, daß Verstandesnotwendigkeiten und Erfahrungs⸗ 
tatsachen zweierlei sind, und daß die letzteren nicht so ohne 
weiteres durch intellektuelle Schlußmethoden geschaffen werden. 
Erscheint somit das logische Motiv des Aufbaus auch des 
— D 
über seine praktische Anwendbarkeit für die Einzelforschung, bei 
einiger Umbiegung seines Sinnes, noch nichts ausgesagt. Und 
in diesem Zusammenhange nun erwies sich die triadische Dia— 
lektik Hegels allerdings als außerordentlich fruchtbar. Denn 
wie man die Dinge auch ansehe: es ist eine Tatsache, daß 
die geschichtliche Bewegung sich häufig in hastender Voraus— 
nahme eines künftigen Lebensprinzips, Reaktion dagegen und 
schließlicher Entwicklung eines Mittleren zwischen Erstrebtem 
und Erreichtem vollzieht. Und da dieser Verlauf auf sehr 
fundamentalen Ausstattungen und Äußerungen des Seelen— 
lebens, nämlich auf der schöpferischen Kraft der Phantasie 
und auf dem Gesetze der psychischen Reaktion beruht, so ist 
man wohl berechtigt, mit seiner Erkenntnis einen Teil auch 
des sozialpsychischen und das heißt des kulturgeschichtlichen 
Entwicklungsmechanismus bloßgelegt zu sehen. Wurde nun 
aber diese psychische Erscheinung in der Praxis der historischen 
Forschung und Betrachtung nicht eben durch die Anwendung 
der logischen Trias Hegels wenn nicht gedeckt, so doch ständig 
angedeutet? Aus diesem Zusammenhange erklärt es sich, wenn
	        
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