288 Vierundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel.
der subjektivistischen Seele, soweit diese schon elementar in
ihren Bildungsvorgängen erfaßt wurde.
Aber war nicht selbst damit schon ein außerordentlicher
Fortschritt gegeben? Sind nicht die Naturwissenschaften eben
in wenn auch unbewußter Anwendung anthropo- und psycho⸗
morpher Vorstellungen von den Eigenschaften der subjekti⸗
vistischen Psyche auf den Begriff der Kraft zu der Höhe ihrer
Ausbildung im 19. Jahrhundert gelangt? Von dem Niveau
eines bloßen Selbstlebens des Subjekts, wie es in Empfind—
samkeit und Sturm und Drang die erste literarische Epoche,
in der gesetzgeberischen Autarkie des Einzelnen gegenüber sich
und der Natur die erste große, Kantsche Philosophie des Sub—
jektivis mus errungen hatte, war man in wachsender Bewußtseins⸗
auswirkung heraufgedrungen in die geschichtlichen Daseins—
bedingungen des Subjekts, hatte begonnen, seine Stellung im
19. Jahrhundert zu Natur wie Geschichte, zu jeder Form der
Vergangenheit wie Gegenwart überhaupt ins Auge zu fassen,
und ihm damit für seine selbständige und isolierte Stellung
im Reiche des Gedankens, der Phantasietätigkeit und der
Empfindung diejenige Grundlage und Sicherung zu gewähren,
deren es zur festen Einnahme jener Stellung bedurfte.