Beginnender Realismus.
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die Bilder Gallaits und Biöfves, die Runde und erregten
außerordentliches Aufsehen.
So erweist sich das Jahr etwa 1840 als eine Zeitmarke in
der Entwicklung zunächst der Malerei; die Malerei aber hatte,
wie wir wissen, schon damals und erhielt noch immer mehr die
Führung in der Entwicklung der bildenden Künste!. In den
vierziger Jahren fing in der Tat ein schon vollkommenerer Re⸗
alismus in diesen an zu siegen, nachdem seine Anfänge deutlicher
schon seit etwa 1830 eingesetzt hatten; und seine Herrschaft
hat dann über ein Menschenalter fortgewährt.
Damit begann sich aber zugleich auch die Stellung der
bildenden Künste innerhalb der allgemeinen Kulturinteressen
überhaupt zu ändern. Während der ersten Generation des
19. Jahrhunderts hatte die deutsche Kunst etwas gleichsam Ex—⸗
territoriales gehabt; ihre Heimat war eigentlich Rom gewesen.
Und innerhalb der deutschen Grenzen hatte sie Förderung ge—⸗
funden weniger im Volke und in seiner führenden Schicht,
dem Bürgertum, als durch einige Fürsten: die Fortsetzer jener
Traditionen des 16. bis 18. Jahrhunderts, während deren
das Mäcenat der Kunst schon vom Bürgertum völlig an Adel
und Fürsten übergegangen war. Somit hatte die Kunst etwas
Akademisches und Ausschließliches an sich getragen und mußte
sich dem Willen der wenigen Mäcene mehr als nützlich war
fügen. Für das Leben der Nation dagegen war ihre Be—
deutung verhältnismäßig gering gewesen, während rings um sie
die Dichtung das öffentliche Interesse fand und die Musik die
künstlerischen Neigungen vor allem auch des Bürgertums noch
viel stärker fesselte und beherrschte: zusehends füllten und
mehrten sich die Konzerte.
Das änderte sich nun seit den dreißiger Jahren, wenn
auch nicht auf einen Schlag. Langsam, ausgesprochener freilich
erst seit den vierziger Jahren erhielt auch die künstlerische Welt
1Es wird daher hier von ihr und den graphischen Künsten allein
die Rede sein; Bildnerei und Baukunst werden erst gelegentlich der
Schilderung des ausgebildeten Realismus auf allen Gebieten in Band XI
behandelt werden.