264 Vierundzwanzigstes Buch. Drittes Kopitel.
bis 1834) begann im Jahre 1798 mit der Arbeit auf dem
Steine; und in unermüdlicher Arbeit bis an sein Ende hat
er bereits alle wichtigsten Behandlungsarten des Steins selber
durchgebildet: neben der einfachen Steinzeichnung die Aqua—
tintamanier und die sogenannte gespritzte Manier, den Ton—
druck und schon auch den Druck in Farben. Der künstlerischen
Vervollkommnung des Verfahrens aber widmeten sich dann im
Norden Meister wie Adolf Menzel (am frühesten in den drei
Jugendzyklen Luthers Leben, Künstlers Erdenwallen, Denk—
würdigkeiten aus der brandenburgischen Geschichte, 1883 bis
1836); nicht minder schufen auf diesem Gebiete die Wiener
Josef Kriehuber (1801 -1876), wohl der beste lithographische
Porträtist, und August Karl von Pettenkofen (1822 —1889),
der elegante Schilderer österreichischen Kriegslebens. Inzwischen
waren aber auch schon große Publikationswerke in Steindruck
entstanden oder im Entstehen begriffen, die weiteren Kreisen der
Gebildeten die schönsten Schätze alter Kunst in guter Wiedergabe
eröffneten: so die Strixnersche Galerie der Vlamen des 15. Jahr⸗
hunderts, der besten Arbeiten Dürers, Cranachs u. a.; dann die
Reproduktionen der Niederländer und Vlamen des 17. Jahr⸗
hunderts durch den älteren Piloty; als vollendetste dieser großen
Sammlungen vielleicht das Dresdner Galeriewerk Hanfstängls.
Tiefer noch in vieler Hinsicht als die Lithographie griff
aber bald der Holzschnitt in das Kunstleben der Nation ein;
er wurde recht eigentlich zur populären künstlerischen Technik
des 19. Jahrhunderts. Schon früh hatten einzelne Künstler,
wie die beiden Unger in Berlin oder Höfel in Wien, versucht,
mit Holzschnitten der herkömmlichen Technik — Bearbeitung
des Holzes mit dem Schneidemesser der Faser nach — den
Kupfern in den Almanachen des ausgehenden 18. Jahrhunderts
Konkurrenz zu machen; und es war ihnen vielfach gelungen.
Zum vollen Aufschwung aber kam der Holzschnitt doch erst
mit der realistischeren Kunst der dreißiger und vierziger Jahre
und einer technischen Verbesserung, die ihn im hohen Grade
geeignet machte, gerade den koloristischen Wirkungen der neueren
Malerei gerecht zu werden.