270 Vierundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel.
bäuerliche Landschaft, in der Natur- und Menschenleben in
gleicher Liebe studiert und mit gleich klarem Gefühle fest—
gehalten waren: fern jedem Anklange an Akademie und Ro—
mantik war hier der Gegenstand mit solcher Ehrfurcht strenger
Charakteristik erfaßt, daß selbst alle reizenden Momente wie
alle novellistischen Züge vermieden sind. Doch trägt diese
Malerei das Neue andrerseits noch mit allen Schwächen jugend⸗
licher Beobachtung vor; die Komposition ist überladen, die
Farbengebung bei übertrieben betontem Umrisse bunt — wenig—
stens da, wo Bürkel über bloße Skizzen hinaus eben sein Bestes
in durchgeführten Bildern geben wollte. Weit über Bürkel
ist dann schon Spitzweg hinausgelangt. Farbenreich und farben—
froh, ein Meister bereits der Experimente freieren Lichtes, ver⸗
band Spitzweg mit starkem realistischen Können die glückliche
Gabe überlegener romantischer Charakteristik und wurde daher
schon in hohem Grade zum Sittenmaler; und da sich seine
Kunst vornehmlich der kleinen bäuerlichen und bürgerlichen
Welt, der Welt insbesondere auch der Kleinstadt annahm, so
hat man seine Bilder in mancher Hinsicht zu Recht mit Jean
Pauls Dichtung verglichen. Ein eigentlicherer Fortsetzer Bürkels
war dagegen Hermann Kauffmann, ein Hamburger, der von
1827 bis 1883 dem Münchener Kreise angehörte und neben der
Wiedergabe niederdeutscher Szenen vor allem dem bayerischen
Hochgebirge als Maler treu blieb.
Neben diese Anfänge einer deutschen realistischen Land⸗—
schafts- und Genremalerei aber stellte sich zugleich, wenn auch
unter gewissen Einflüssen des Klassizismus und der französischen
Romantik, eine besondere Malerei italienischer Stoffe. Be—
gründet war dieser in den dreißiger Jahren überaus beliebte,
zwischen Romantik und Realismus vermittelnde Zweig der
Kunst durch einen jungen Neufchaͤteller, Leopold Robert, der
im Jahre 1818 zum ersten Male nach Italien gekommen war
und bald die Welt mit seinen sentimentalen Briganten, seinen
Capreser Fischern, römischen Pilgern, Eremiten, Pifferari, ge—
leckten Mädchen aus Sorrent und Frasscati in entsprechender
Landschaft überschwemmte. In Deutschland war August Riedel