Beginnender Realismus. 273
1824), der seinerseits ein Schüler von Mengs gewesen ist und
mehr als sonst jemand versucht hat, in den ersten Jahrzehnten
des 19. Jahrhunderts auf akademischem Wege eine realistische
Schule zu gründen. Gelungen ist das von Langer freilich
nicht: Cornelius hat in München, nicht zum wenigsten unter
direktem Eingreifen König Ludwigs J., alle realistischen Aus—
läufer seiner Direktionszeit unterdrückt.
Dennoch war klar, daß der junge, weithin verbreitete, aber
nirgends zu größeren Wirkungen vereinigte und durch systema—
tische Schulung vertiefte Realismus irgendwann und irgendwo
einmal mit dem akademischen Betriebe in Berührung treten
und ihn durchdringen mußte. Und da ist es denn das be—
sondere Schicksal der Akademie in Düsseldorf gewesen, daß sich
auf ihrem Boden dieser Vorgang am frühesten und in ge—
wissem Sinne am entscheidendsten vollzog.
Wir haben schon gehört!, daß mit der Direktion Schadows
(seit 1826) ein Leben eingezogen war, das sich weniger zu⸗
nächst was den Inhalt der Gemälde anging, als in Form und
vor allem Farbe von dem typischen Verfahren der Romantik
abwandte: wie wurden nicht schon die frühen Erzeugnisse der
Schüler Schadows als Denkmäler unbedingtesten Wahrheits⸗
sinnes gegenüber der Natur, als Offenbarungen eines neuen
Realismus bewundert. In der Tat leiteten sie mehr als
tausend andere Lebensäußerungen der Spätromantik zum Rea⸗—
lismus über. Daß sie aber diesen schon voll erreicht hätten,
wäre zuviel gesagt, wenn man auch dem harten Urteil Anselm
Feuerbachs, eines der bezeichnendsten Maler am Ausgange des
Realismus und im Übergange zu dem ringenden Werden der
zweiten Periode des Subjektivismus, nicht ganz wird zustimmen
wollen, daß Schadow immer großartige Ideen in der Kompo—
sition und eine Ausführung nach Regeln verlangt habe, die
er mit dem Lineal anzugeben vermochte. Was indes schon
um 1830 erreicht schien, war immerhin ein starkes Interesse
an der Farbe als der Trägerin der zusammenfassenden Werte
1S. oben S. 153 f.
Lamprecht, Deutsche Geschichte. X.