280 Vierundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel.
barung Gottes gepriesen und die Historienmalerei als ihre an—
schaulichste Nachahmung, als die Vollendung der alten Heiligen⸗—
malerei seit Giotto gekennzeichnet. „Wer stellt den heiligen
Geist würdiger dar, derjenige, der ihn als Taube über einem
Bündel von Strahlen malt, oder derjenige, der einen edlen
großen Mann, einen Luther, einen Huß im Feuer der gött—
lichen Begeisterung vor mich hinstellt?“ An den Künstlern war
es damit, dieser Forderung der Zeit gerecht zu werden, indem
sie aus den sentimental-romantischen Anfängen der Schule
Schadows eine wirkliche Geschichtsmalerei entwickelten. Es
geschah seit etwa Mitte der dreißiger Jahre; und der erste
Meister der neuen Richtung war der uns schon als Landschafter
bekannte Lessing. Er zuerst überwand Illustrationsmalerei und
Kloster⸗ und Räuberromantik, und seine Hussitenpredigt vom
Jahre 1836 wirkte darum auf weite Kreise der Nation wie ein
Ereignis. Gegen Schluß des Jahrzehnts aber trat schon der
Meister auf, der, was in der neuen Strömung Großes war,
verlebendigte und mit wichtigen Tendenzen des Alten in monu⸗
mentalem Zuge zusammenfaßte, Alfred Rethel. Rethel (1816
bis 1859; in den letzten sieben Jahren seines Lebens geistes⸗
gestört) war ein Schüler der Düsseldorfer Akademie, fand seine
weitere Ausbildung bei Veit in Frankfurt, hat aber, soweit
ihn nicht eigene starke Kraft trug, das meiste doch wohl
von Dürer gelernt. So war er imstande, seit 1840 in den
Fresken des Aachener Rathauses die Wandmalerei realistisch
umzugestalten. Er war dabei herb und massig in der Cha—
rakteristik; er wußte zu komponieren trotz einem Cornelius, wie
es der Geist des Wandbildes, seine architektonische Einordnung
erforderte; aber in wie anderem Sinne war er zugleich Herrscher
des Kolorits als die Künstler um Cornelius und Cornelius
selbst! Und wo er sich volkstümlichen Aufgaben in nationalster
Technik zuwandte, wie in seinen Totentanz-Holzschnitten
(1848), da wurde er der Ersten einer an Kraft der Phantasie
und Beherrschung der malerisch-zeichnerischen Forderungen. So
wäre er dazu bestimmt gewesen, der Monumentalmaler des
deutschen Realismus seiner Zeit in jeder Hinsicht, wenn nicht