Beginnender Realismus.
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der deutschen Kunst des 19. Jahrhunderts überhaupt zu werden,
hätte ihn nicht ein furchtbares Schicksal fruh gebrochen. Und
auch in den vollendeten Werken kündigt sich schon etwas von
diesem Schicksal an. Kernig, abgewogen, wohlkonzentriert,
von nachdrücklicher Kürze und klarer Unmittelharkeit, war
Rethel inhaltlich nur zu gern der Maler des Dämonischen,
des dunkel und düster Erhabenen: von diesem Standpunkte
aus betrachtet sind seine Totentanzbilder mit der ergreifenden
Symbolik der Revolution in ihrer schlimmsten Geißel, dem
Tode, das hervorragendste Denkmal seiner Kunst.
Mit Rethel schließt die Geschichte des frühen malerischen
Realismus; in ihr hat sich die neue Richtung zum ersten Male
ganz gefunden und ebenso mit der Vergangenheit auseinander—
gesetzt wie mit der Gegenwart, im weitesten Sinne, Fühlung
erlangt. Kann man aber sagen, daß der Realismus in seinem
tastenden Verlaufe bis zu ihm hin, ja in seiner Kunst selber
schon völlig sichere neue Formen gefunden habe? Fuür seine
Anfänge, die noch in der Schule Schadows wurzeln, ist diese
Frage nach allem, was von Schadows Unterricht bekannt ist,
zu verneinen. Gewiß haben dann die Jüngeren der Schule
mehr nach der Natur unmittelbar gemalt. Allein immer war
der Gedanke des Bildes und die Komposition nach diesem Ge—
danken auch bei ihnen noch das erste und spielte demgemäß
die anschauliche Phantasie die zweite Rolle — ganz abgesehen
davon, daß man sich im Verlaufe der Bewegung teils an die
alten Holländer, teils auch, namentlich im Sittenbilde, an die
gleichzeitigen Engländer anlehnte. So haben denn die Düssel—
dorfer selbst zwar ihre Malweise damals und auch noch später
„venetianisch“ gefunden, aber in Wirklichkeit blieb ihr Vortrag
kleinlich, und die Farbe ging jim allgemeinen nicht über matte
Effekte und eine äußerlich warme, zumeist durch gelblichen oder
bräunlichen Ton hergestellte und dadurch allerdings von der
Palette des Klassizismus und der Romantik verschiedene Har—
monie hinaus. Und so fehlte denn zunächst noch viel, daß
man auch nur den Realismus der großen Niederländer des
17. Jahrhunderts wieder erreicht hätte. Soweit aber die