Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Beginnender Realismus. 
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und damit gleichsam die wissenschaftliche Generalhypothese des 
Subjektivismus möglichst radikal formuliert, so war schon die 
Spätromantik mehr dem Objekte, den Tatsachen hingegeben. 
Denn waren diese am Ende nicht dennoch mächtiger als das 
Subjekt? Und konnten sie schließlich anders beherrscht werden 
als dadurch, daß man sich ihnen verständnisvoll ein- und unter⸗ 
ordnete? 
Es war der Weg, der auf dem Gebiete der Philosophie 
wie besonders auf dem der Einzelwissenschaften zum Realismus 
hinüberführte. Die Seele der Zeit mußte vor allem mit den 
Dingen dieser Welt, mit wahrhaften und selbsterrungenen Be— 
ständen empirischer und exakter Wissenschaften erfüllt werden, 
sollte sie selbst weiter wirksam werden: erst so gelangten in 
dem neuen subjektivistischen Seelenleben wirklich neue Begriffe 
zu gründlicher Destillation, erschien eine der Zeit tatsächlich 
angemessene Erkenntnistheorie möglich, die über Ding und 
Eigenschaft, Ursache und Wirkung, Kraft und Außerung und 
Verwandtes womöglich eindeutig berichtete. 
War man nun aber seit den zwanziger und vor allem 
dreißiger Jahren des Jahrhunderts bereit, dieses Weges zu 
ziehen, so war der Verfall der Romantik eben hier, in der 
Nähe äußerster Grenzen ihrer Wirkungen, aufs unbedingteste 
besiegelt. Denn offenbar brachte diese neue seelische Haltung 
etwas wie einen Rationalismus redivivus: der alte Feind alles 
extremen Subjektivismus, der zerlegende, zersetzende Verstand 
erwachte und intellektualisierte, wo die Väter und Großväter 
geahnt und gefabelt hatten. So trat zunächst in den Natur— 
wissenschaften der Einfluß energetischer und dynamischer An⸗ 
schauungen allmählich zurück: und die Schlußwerte ihrer neuen 
Entwicklungsrichtung hießen Gesetz von der Erhaltung der 
Kraft, Philosophie des Materialismus, Technik. Aber auch 
auf dem Gebiete der Geisteswissenschaften verlief sich die 
Dünung dynamisch⸗energetischer Einflüsse; es kam keine sichere 
Methode kulturgeschichtlicher Forschung zustande, wenn auch 
andrerseits der Rationalismus — und mit ihm auf diesem 
Gebiete verbunden der Pessimismus — nicht völlig siegte.
	        
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