Beginnender Realismus.
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und damit gleichsam die wissenschaftliche Generalhypothese des
Subjektivismus möglichst radikal formuliert, so war schon die
Spätromantik mehr dem Objekte, den Tatsachen hingegeben.
Denn waren diese am Ende nicht dennoch mächtiger als das
Subjekt? Und konnten sie schließlich anders beherrscht werden
als dadurch, daß man sich ihnen verständnisvoll ein- und unter⸗
ordnete?
Es war der Weg, der auf dem Gebiete der Philosophie
wie besonders auf dem der Einzelwissenschaften zum Realismus
hinüberführte. Die Seele der Zeit mußte vor allem mit den
Dingen dieser Welt, mit wahrhaften und selbsterrungenen Be—
ständen empirischer und exakter Wissenschaften erfüllt werden,
sollte sie selbst weiter wirksam werden: erst so gelangten in
dem neuen subjektivistischen Seelenleben wirklich neue Begriffe
zu gründlicher Destillation, erschien eine der Zeit tatsächlich
angemessene Erkenntnistheorie möglich, die über Ding und
Eigenschaft, Ursache und Wirkung, Kraft und Außerung und
Verwandtes womöglich eindeutig berichtete.
War man nun aber seit den zwanziger und vor allem
dreißiger Jahren des Jahrhunderts bereit, dieses Weges zu
ziehen, so war der Verfall der Romantik eben hier, in der
Nähe äußerster Grenzen ihrer Wirkungen, aufs unbedingteste
besiegelt. Denn offenbar brachte diese neue seelische Haltung
etwas wie einen Rationalismus redivivus: der alte Feind alles
extremen Subjektivismus, der zerlegende, zersetzende Verstand
erwachte und intellektualisierte, wo die Väter und Großväter
geahnt und gefabelt hatten. So trat zunächst in den Natur—
wissenschaften der Einfluß energetischer und dynamischer An⸗
schauungen allmählich zurück: und die Schlußwerte ihrer neuen
Entwicklungsrichtung hießen Gesetz von der Erhaltung der
Kraft, Philosophie des Materialismus, Technik. Aber auch
auf dem Gebiete der Geisteswissenschaften verlief sich die
Dünung dynamisch⸗energetischer Einflüsse; es kam keine sichere
Methode kulturgeschichtlicher Forschung zustande, wenn auch
andrerseits der Rationalismus — und mit ihm auf diesem
Gebiete verbunden der Pessimismus — nicht völlig siegte.