288 Vierundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel.
den vierziger Jahren, namentlich in Frankreich, vorgenommen
wurden, keinerlei plausible Einwände mehr entgegenstellen.
Freilich aber wurden in dieser Zeit, und vornehmlich wieder
durch Franzosen, deren große Forscher wesentlich der ersten
Hälfte des 19. Jahrhunderts angehören während die der
Deutschen in die zweite Hälfte fallen, auch sonst noch eine
große Anzahl von Erscheinungen des Lichtes genauer bestimmt
und vom Standpunkte der Wellentheorie aus erklärt: so wurden
die Lichtwellenlängen der verschiedenen Farben des Spektrums
gemessen, wurde, von Fraunhofer und Schwerd, die Theorie
—
Cauchy im Jahre 1836, eine rationelle Lehre der Dispersion
gefunden.
Auf dem Gebiete der Lehre vom Sehen aber machte vor
allem die Erfindung des Spiegelstereoskops im Jahre 1838
durch Wheatstone Epoche. Denn erst an der Hand der Theorie
seiner Erscheinungen gelang es, die alten Fragen klarzulegen,
warum wir, trotz der beiden Netzhautbilder, die Gegenstände
einfach, und warum wir sie, trotz der Flächenbilder, körperlich
sehen. Freilich blieb trozdem noch eine Fülle von Fragen
innerhalb des Problems des dreidimensionalen Sehens be—
stehen. Dennoch war der Fortschritt, auch soweit die Er—
klärung der Entstehung unserer Raumanschauung in Frage
kam, beträchtlich.
Von stärkerer Bedeutung als auf dem Gebiete der Akustik
waren in der Optik auch die mehr technischen Erfindungen.
Ganz in den Vordergrund trat hier die Erfindung der Photo—
graphie (1838), an die sich dann eine ganze Industrie ver⸗
schiedener graphischer Reproduktionsweisen auf dem Wege des
Lichtes angeschlossen hat. In unserem Zusammenhange darf
betont werden, daß es zur Entwicklung der primitiven Photo—
graphie, der Daguerrotypie, wie sie nach ihrem Erfinder hieß,
neben dem Gebrauche der Camera obscura, die schon dem
16. Jahrhundert bekannt geworden war, vor allem der ein—
dringenden Verständnisse der Lichtempfindlichkeit der Haloid⸗
verbindungen bedurfte, die sich im ersten Jahrzehnt des 19. Jahr⸗