Beginnender Realismus. 297
dem Einflusse großer Autoritäten, die in der Geschichte des
menschlichen Denkens zu den am häufigsten wiederkehrenden
Erscheinungen gehört. Dementsprechend ließ man eine un—
bermittelte Fernkraft, wie sie Newton für die Erklärung der
kosmischen Vorgänge angenommen hatte, ohne Bedenken zu und
ohne sich zu fragen, wie sie mit dem Prinzipe der mechanischen
Naturerklärung vereinbar sei; und da eine punktförmig aus—
strahlende Kraft, als deren Typus die Schwerkraft erscheinen
mußte, aus geometrischen Gründen nur als sich derart im
Raum verbreitend gedacht werden kann, daß sich ihre In—
tensität im Verhältnisse des Quadrates der Entfernung vom
Ausstrahlungspunkte abschwächt: so erschien diese Art der
Kraftverbreitung als die einzig zulässige und damit auch vor—
handene.
Wie mußte man da nun erstaunt sein, als diese ganze
Lehre gegenüber neuen Erfahrungen, wie sie namentlich auf
dem Gebiete der Elektrizität und des Magnetismus gemacht
wurden, nicht mehr standhielt: als sich Anziehungskräfte er—
zaben, in deren zahlenmäßigem Ausdrucke, wie es schien, nicht
immer die zweite, sondern auch die erste und sogar die dritte
Potenz der Distanz den Nenner einnahm. Diese Erfahrungen
waren die ersten, die unbedingt zu einem sehr bestimmten, von
dem Herkömmlichen abweichenden Nachdenken über Kraft und
Bewegung, und damit über die Grundfragen aller Physik und
im weiteren auch aller Chemie, über den Charakter mithin der
Agentien der anorganischen Naturwissenschaften überhaupt, an⸗
regen mußten.
Doch war auf diesem Gebiete das Feld für neue Ver—
mutungen natürlich einigermaßen durch jene Spekulationen der
Naturphilosophie abgegrenzt, die zwar verschiedene Naturkräfte,
wie die Schwerkraft, die magnetische, die elektrische Kraft, an—
genommen, zugleich aber behauptet und auf deduktivem Wege
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rungsformen ein und derselben obersten Naturkraft seien. Und
war es nicht im Grunde der den Menschen an sich eingeborene
Drang auf Einheit der Auffassung der Außenwelt überhaupt