302 Vierundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel.
Stoffwechsel“ hatte er, drei Jahre nach seiner ersten Ver—
zffentlichung, im Verfolg seiner Absicht, den Kraftbegriff neu
zu formulieren, das Grundprinzip aufgestellt, daß es überhaupt
nur eine Kraft gebe, deren Entstehung und Vernichtung stets
außerhalb des menschlichen Verständnisses bleiben werde: und
daß alle Bewegungen und Kraftäußerungen nur Veränderungen
und Umsetzungen dieser einen Kraft seien. Dabei bewies er
den Satz von der Einheit der Kraft schon für Bewegung, Fall⸗
kraft und Wärme, und versuchte eine Art von Beweis oder
wenigstens eine Annäherung an diesen auch bereits für Reibungs⸗
elektrizität, Magnetismus und chemische Wirkung.
Und wiederum drei Jahre später, 1848, wagte er sich in
einer Schrift über die „Dynamik des Himmels“ trotz früherer
Verwahrungen in dieser Richtung dennoch auch an die Lösung
des Rätsels von Herkunft und Erhaltung, wie Möglichkeit der
Vernichtung der allgemeinen einen' Kraft. Er fand diese,
wenigstens für die irdischen Vorgänge, schließlich in der
Sonnenwärme; und er nahm an, daß diese durch unaufhör—⸗
liches Einströmen dichtgefügter Schwärme von fein verteiltem
kosmischem Staube in die Bereiche ihres Brennens konstant er⸗
halten werde.
Mayers Schriften machten in Deutschland zunächst durch⸗
aus kein Aufsehen: im Gegenteil, ihr Verfasser mußte alles
äußere Unglück des großen Entdeckers durchkosten. Gerecht
wurde ihm schließlich zuerst ein Engländer, Tyndall. Dabei war
aber der Anlaß zu diesem Verlauf nicht etwa in dem Umstand
gegeben, daß Mayer in jedem Betrachte seiner Zeit weit vor—
aus gedacht hätte. Im Gegenteil: Gedanken, wie er sie zuerst
aussprach, lagen, wie man zu sagen pflegt, in der Luft als
das naturnotwendige Ergebnis der bisherigen Entwicklung der
Naturwissenschaft; und in besonders deutlicher Weise läßt sich
in diesem Falle einmal sehen, was die Gesamtentwicklung und
was der große Mann in der Geschichte leistet: denn nur
dies Verdienst kommt Mayer, freilich nun auch völlig un—
gemessen und ganz, zu, das Problem bis zum vollen Ende
durchgedacht zu haben, ohne sich durch Einzelheiten in Neben—