Beginnender Realismus. 305
Innerhalb des Sonnensystems aber wurden doch schon
die ersten Grundsteine zu einer Physik der Sonne gelegt, deren
Flecken bereits genauer beachtet wurden: und die Sonne er⸗
schien als eine dunkle, von einer leuchtenden Photosphäre um—
gebene Kugel. Im Vordergrunde standen aber noch immer die
Beobachtungen über die Erde; wobei man vom astronomischen
Gebiete leise in die geophysischen Disziplinen überging.
Da war man zunächst, seit den Gradmessungsexpeditionen
vom Jahre 1735, bereits der Tatsache sicher, daß die Erde keine
Kugel, sondern ein Sphäroid sei. Und weiterhin erlaubte die
klassische Behandlung der Kartenprojektionslehre durch Lambert
(1728 - 1777) sowie Euler und Lagrange auch schon eine ziemlich
zutreffende Wiedergabe des Erdbildes: von wo aus dann wiederum,
vornehmlich in den Arbeiten Rigauds (1774 -1839), zum ersten
Male das Arealverhältnis von Wasser und Land schärfer be⸗
stimmt werden konnte.
Dagegen waren die Versuche, Maße und Dichte der Erde
festzustellen, wie sie Maskelyne (1732-1811) und Hutton
1737-1828) vornahmen, noch recht wenig befriedigend.
Weit erfreulicher entwickelte sich dagegen die atmosphärische
Physik. Vor allem die Meteorologie war schon früh in Deutsch—
land gepflegt worden; bereits der Göttinger Historiker Gatterer
hatte die Forderung nach eingehenden meteorologischen Statistiken
aufgestellt; und die durch den Pfälzer Kurfürsten Karl Theodor
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zu werden. Am Ende der Periode aber reiften schon die Theorien
Doves (1803-1879), die zuerst 'einige Grundprinzipien der
meteorologischen Wissenschaft wenn nicht völlig richtig, so doch
sehr klar aufstellten:‘ so die Wirbeltheorie und das Gesetz der
Winddrehung im Zusammenhange mit der Drehung der Erde.
Daneben wandte sich das wissenschaftliche Interesse seit
dem zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts im Gefolge der
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dem Erdmagnetismus zu. Hansteens Untersuchungen über ihn
»om Jahre 1819 sind schon erwähnt worden, nicht minder
Lamprecht, Deutsche Geschichte. X. 20