306 Vierundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel.
Alexander von Humboldts angestrengte Tätigkeiti. In den
dreißiger Jahren war man dann so weit, daß Gauß den mag—
netischen Nordpol als ungefähr in den Archipelen der nord⸗
westlichen Durchfahrt liegend bestimmen konnte; und im Jahre
1841 ist er hier, auf Boothia Felix, von dem kühnen Seefahrer
John Roß gefunden worden.
Aus der Meteorologie aber sonderte sich im Verlaufe der
ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts allmählich die Klimatologie
ab; schon Leopold von Buch wie Alexander von Humboldt
haben auf ihrem Gebiete stark gearbeitet; der Begriff der sub—
tropischen Zone entstammt diesem Zusammenhange, im Jahre
1829 hat ihn Leopold von Buch zum ersten Male ent—
wickelt.
Doch standen alle diese mehr beschreibenden Wissenschaften
der Geophysik, wie sie leise zur Geographie hinüberführen,
erst ganz in ihren Anfängen; auch für die Ozeanographie galt
das, und nur die Lehre von den Gezeiten war in Laplaces
Mécanique céleste eingehender behandelt. Der Zeit wenigstens
anfangs viel wichtiger und daher weiter durchgebildet waren da⸗
gegen die Lehren vom Werden der Erdoberfläche; und hier spielte
natürlich die Geologie die hauptsächlichste Rolle.
In der Geologie handelte es sich von vornherein um die
Anwendung vornehmlich physikalischer, dann auch chemischer
Betrachtungsweisen auf die Genesis der heutigen Erde; nur
nebenher kamen auch die organischen Naturwissenschaften in
Betracht, insofern die Mächtigkeit der deponierten Massen in
Kohlen- und Kalkformationen und dergleichen in Frage kam.
Damit hing es zusammen, daß eine wissenschaftliche Geologie
schon einsetzte, sobald eine gewisse Summe sicherer physikalischer
Lehren und der Anfang einer modernen chemischen Wissen—
schaft das zuließ.
Die Anfänge dieser Zeiten lagen bereits tief im 18. Jahr—
hundert. Ja eigentlich schon dies ganze Jahrhundert hindurch
tobte der Streit der sogenannten Plutonisten und Neptunisten
Siehe oben S. 290.