Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

310 Vierundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
schichte beschränkt, überall singulär wirkende, womöglich per⸗ 
sönliche Kräfte als entscheidend annahm und daher in eine 
Theorie der Epochen und Katastrophen aufging. Und so kann 
es nicht wundernehmen, wenn die Katastrophenlehre recht 
eigentlich erst von Cuvier aufgestellt und auch von Leopold 
von Buch, ja von Elie de Beaumont noch festgehalten worden 
ist: wobei de Beaumont in Arbeiten, die zwischen den Jahren 
1829 bis 1858 liegen, immer deutlicher die Ansicht ver⸗ 
trat, daß die Spalten, aus denen bei den Katastrophen die 
magmatischen Massen aus dem Erdinnern ausgetreten wären, 
sich einem regelmäßigen dodekaedrischen Netze auf der Erd⸗ 
oberfläche angepaßt hätten und anpaßten. 
Demgegenüber hatte denn freilich schon Goethe 1820 gelegent⸗ 
lich eines Besuches des Felsenmeeres der Luisenburg bei Alexander⸗ 
bad im Fichtelgebirge deutlich ausgesprochen, welche Bedeutung viel⸗ 
mehr dem langsamen, aber stetigen Wirken der großen Agentien, 
insbesondere den Erscheinungen der Verwitterung, beizumessen 
sei. Es waren die Anfänge einer dynamischen Geologie oder 
wirklich wissenschaftlichen Morphologie der Erdoberfläche. Und 
die neue Anschauung fand schon wenige Jahre darauf ihre 
klassische Begründung in dem großen Werke von Hoffs über 
die durch Überlieferung nachgewiesenen Veränderungen der 
Erdoberfläche (1822 -1841), in dem namentlich auch die Er⸗ 
scheinungen der Erosion und Denudation bereits eingehend be— 
sprochen sind. So bedurfte es denn nur noch der Einführung der 
vom Druck abhängigen Erscheinungen: und der Katastrophentheorie 
konnte eine „quietistische“ Theorie der stetigen Erdumbildung 
gegenübertreten. Das entscheidende Jahr für den beginnenden 
Umschwung war dabei etwa 1830: in ihm erschien die Arbeit 
Thurmayrs über den Jura, in welcher dies Gebirge mit seiner 
ausgesprochenen Faltenbildung als ein Produkt der Kontraktion, 
der Einschrumpfung der Erdoberfläche in Anspruch genommen 
wurde. Seitdem hat sich dann die Faltentheorie oder die 
Lehre vom Kontraktionsdruck der Erde immer weitere Gültig⸗ 
keit erobert; im Siegen begriffen aber war sie etwa schon in 
den vierziger Jahren, als sich Cordier, Prévost und Dana für
	        
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