Erster Abschnitt.
Die Theorie. Grundsätzliche Anschauungen.
Die im folgenden behandelten Fragen sind zunächst Gegen-
stand nationalökonomischer Betrachtung und Darstellung gewesen.
Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft wurden als zwei fest um-
grenzte Begriffe hingestellt, und mit diesen ganz bestimmte Wirt-
schaftsformen charakterisiert. Ja vielfach sind sie bis in die jüngste
Zeit nicht nur von Nationalökonomen, sondern auch von Wirt-
schaftshistorikern in diametralen Gegensatz zueinander gestellt
worden. Bei der Naturalwirtschaft fehlt entweder der Tausch über-
haupt, reine Naturalwirtschaft, oder es werden Waren unmittelbar
gegen Waren getauscht (Naturaltausch)*). Die Geldwirtschaft hin-
zegen ist grundsätzlich dadurch gekennzeichnet, daß der wirtschaft-
liche Verkehr mit Hilfe eines als allgemeines Aquivalentgut
geltenden Umlaufsmittels, eines Geldes, vor sich geht’). Dieses
„Geld“ kann bei verschiedenen Völkern, in verschiedenen Zeiten
und Orten verschieden sein. Am häufigsten wird da auf das Vieh-,
insbesondere Kuhgeld der Germanen im Frühmittelalter, oder auf
das Muschelgeld (Kauri) der Südsee-Insulaner hingewiesen). Auch
die Geldwirtschaft weist verschiedene Etappen der Entwicklung auf.
Von dem Naturalgeld, bei dem verschiedene marktgängige Sach-
güter die Funktion als Tauschmesser übernehmen, weiter zu dem
Edelmetallgeld und von da bis zum Münzgeld dehnt sich nach der
herkömmlichen Auffassung noch ein weiter Weg aufsteigender Ent-
wicklung. Die höchste Stufe dieser wird in der neueren Zeit
?) Vgl. den Art. „Naturalwirtschaft“ von W. Lexis im Handwörterbuch
der Staatswiss. von Conrad-Elster-Lexis-Löning 3. Aufl., 6, 896 ff. (1910).
°) Siehe den Art. „Geldwirtschaft“ von Lexis im Wörterbuch der Volks-
wirtschaft von Elster ı?, 805 ff, (1898). .
°) Vgl. den Art. „Geld“ von C. Menger im Handwörterb. d. Staatswiss.
3. Aufl., 4, 555 ff. (1909).
Dopsch, Naturalwirtschaft,