Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

334 Vierundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
eigentlich alle von Hegel beeinflußte historische Methodologie 
in sich zusammenhält. 
Und von ihm aus entwickelte sich nun in der Tat eine 
überaus rege Geschichtsforschung, die mehrere Jahrzehnte, bis 
in die sechziger, ja siebziger Jahre hinein noch fortwährte. 
Nur war sie naturgemäß nicht so sehr auf die voluntaristische 
Seite des geschichtlichen Geschehens als auf die intellektualistische 
gerichtet; denn ihr Triadensystem ging ja im Grunde von 
einer dialektischen Formel aus. Ein sehr merkwürdiges Ge— 
schick in der Tat der Einwirkung der Hegelschen Geschichts— 
philosophie. Nach Tradition und Wissen der zwanziger Jahre 
vornehmlich dem Staate als dem vermeintlichen Mittelpunkte alles 
historischen Werdens zugewandt und insofern voluntaristischen 
Charakters, hat sie doch schließlich vor allem der Durchbildung 
einer rationalisierenden Kulturgeschichte gedient. Denn die 
höheren Zweige der Kultur vor allem waren es, auf deren Ent— 
wicklung das triadische System Anwendung erlangte. 
In diesem Bereiche aber hat seine Einführung in der Tat 
wesentlich gefördert. Fragte man nach dem erkenntnistheoreti⸗ 
schen Werte der Ideenlehre, so bestand er doch vor allem darin, 
daß sie längere Reihen historischen Geschehens unter einem 
Begriffe, einer Anschauung zusammenzufassen gestattete. Damit 
war, gingen diese Reihen auch ursprünglich und ausgesprochener⸗ 
maßen nur auf das Singuläre in der Geschichte, doch schon 
häufig auch eine vage Erfassung sozialpsychischer Momente ver— 
knüpft. Jetzt nun, in der Organisierung des kulturgeschicht⸗ 
lichen Stoffes durch das Hegelsche Triadensystem, traten diese 
sozialpsychischen Elemente, die Stilformen in der Kunst, die 
Frömmigkeitsarten in der Religion, die Rechtscharaktere in der 
Verfassung und im Rechte, ganz anders in den Vordergrund. 
Und die Triade erlaubte viel längere, ja eigentlich über eine 
ganze menschliche Gesellschaft und ihre Schicksale durch beliebig 
viele Generationen hin verlaufende Reihen: und unterwarf 
zudem diese Reihen auch noch einer Gliederung. Es war ein 
Zusammenhang, der aus der alten rein historischen und der 
späteren genetischen Auffassung schon auf eine noch weitere,
	        
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