Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

338 Vierundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
erfüllt — wie denn ihr stiller, unbewußter Einfluß in seinen 
Ausläufern noch heute gerade innerhalb der Kreise der so— 
genannten exakten Forschung fortwährt. 
Daneben hatte man sich freilich im höheren Betriebe der 
Geisteswissenschaften schon früh gegen Hegel, gegen seine Welt⸗ 
anschauung wie seine Methode, zu verwahren begonnen. Und 
noch vor dem Widerspruche der Vertreter der Einzelwissen⸗ 
schaften ertönte vereinzelt der der Philosophen. Schopenhauer, 
der später Hegel mit deutscher Gelehrtenhöflichkeit einen „geist⸗ 
losen, unwissenden, Unsinn schmierenden, die Köpfe durch 
beispiellos hohlen Wortkram von Grund aus und für immer 
desorganisierenden Philosophaster“ genannt hat, hatte doch auch 
den Mut gehabt, schon in seiner Antrittsvorlesung an der Uni— 
—D 
Kants Tode seien Sophisten aufgetreten, die mit ihrer barbari— 
schen Dunkelheit die Denkkraft ihrer Zeitgenossen ermüdet und 
vom Studium der Philosophie abgeschreckt hätten. Und andere 
Philosophen, die sich mit Schopenhauer schon gegen die Ro— 
mantik überhaupt wandten, bezeichneten dann deren Philosophie 
als einen babylonischen Turmbau, der „mit Hochmut und Torheit 
begonnen wurde und mit der Verwirrung der Sprachen schloß“. 
Ja noch bei Hegels Lebzeiten war der Widerspruch so weit ge— 
wachsen, daß der Meister in der satirischen Komödie Gruppes 
„Die Winde, oder ganz absolute Konstruktion der neueren 
Weltgeschichte durch Oberons Horn“ verhöhnt werden konnte 
und seinen Anhängern nur der Trost blieb, daß es Schelling 
in der anonym erschienenen Schrift Bruno Bauers „Schelling, 
der Philosoph in Christo, oder die Verklärung der Welt— 
weisheit zur Gottesweisheit“ schließlich fast noch schlimmer er⸗ 
gehen konnte. 
Wenn aber die Philosophie so durch ihre eigenen An— 
gehörigen für das Zeitbewußtsein entwertet wurde: sollten da 
die Geisteswissenschaften und vor allem die Geschichtswissenschaft 
nicht versuchen, proprio Marteé zu siegen? 
Schon längst, noch unter der Einwirkung der Früh— 
romantik, war dazu ein Anfang gemacht worden. Von
	        
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