Politische Restauration; wirtschaftliche Fortschritte. 388
und Revolution zu verwirklichen waren, und traten damit erst
recht dem Konservatismus der Restauration entgegen, der,
nicht zum geringsten aus der Verschärfung dieses Gegensatzes
her, nun um so mehr auf die Wiederherstellung oder Erhaltung
des Ancien Régime, auf Legitimität und Gottesanadentum
ausging.
Die Forderungen des Liberalismus aber waren nirgends
sichtbarer ins Leben getreten und klarer formuliert worden
als in der französischen Revolution: eben hierin besteht nicht
zum geringsten deren weltgeschichtliche Bedeutung. Übereifriger
Patriotismus machte einen starken Zug im Wesen der französi—
schen Revolutionshelden aus, sehr im Gegensatze zu der vor—
hergehenden universellen Geistesrichtung eines Voltaire und
Rousseau; und eben auf der Basis der Nationalität hatte die
Erklärung der Menschenrechte die Grundlage aller liberalen
Forderungen entwickelt: „Le principe de toute souveraineté
réside dans la nation.“ Diese klare Formulierung war zu—
dem auch durch den Despotismus Napoleons keineswegs be—
seitigt worden. Denn Napoleon blieb in seinem Innersten
stets ein echter Sohn der Revolution, mochte er nun das
Heilige Römische Reich stürzen oder als Nachfolger seines
„glorreichen Vorgängers“ Karls des Großen dem Papste den
Kirchenstaat nehmen, weil Seine Heiligkeit durch Ungehorsam
die Schenkung Kaiser Karls verwirkt habe. Diente er damit,
durch Demütigung so uralt geschichtlicher Mächte, wenn auch
gegen seinen Willen dem Liberalismus, so förderte er den
Nationalismus durch Erweckung der spanischen und deutschen
Volksseele, durch zeitweilig einheitliche Konstitution wenigstens
des italienischen Nordens und durch seine Sympathiebeweise
für die Polen: und so begreift sich leicht, daß der Verbannte
von St. Helena noch bei Lebzeiten als nationaler und liberaler
Held Verehrung zu finden vermochte.
Diese durch die freie Entwicklung des politischen Subjekti—
vismus geweckten tieferen Strömungen mußten nun aber in
Kampf treten mit den nicht minder starken konservativen
Neigungen, welche derselbe Subjektivismus auslöste, sobald er
Lamoprecht, Deutsche Geschichte. X. 93