Politische Restauration; wirtschaftliche Fortschritte. 35
persönlich seinen guten Willen zu erkennen gegeben, die Nation
nach Gesetz und Freiheit zu regieren. Anders in Italien,
Spanien, Portugal und deren kolonialem Zubehör, den süd—
und mittelamerikanischen Vizekönigreichen und Brasilien. Für
sie hatte der Wiener Kongreß absolute Reaktion beschlossen;
unter österreichischem Schutze kehrten die kleinen Fürsten
Italiens zurück, und in Spanien herrschte von neuem der
elende Ferdinand VII.
So mußte sich das Gefühl des Mißbehagens in den süd—
romanischen Ländern am ehesten regen, besonders aber in
Spanien: denn hier war durch die Cortes des Jahres 1812
eine Verfassung beschlossen worden!, welche in weitgehendster
Weise der Monarchie die Gedanken der französischen Revolution
entgegenstellte; und hier dachte der regierende Fürst am wenigsten
daran, die beschworene Verfassung zu halten.
Während damit in Italien und Spanien schon früh ge—
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führung, in Spanien die Durchführung der Cortesverfassung von
1812 war, erlebte Frankreich in der Terreur blanche die merk⸗
würdigste Zeit eines überkönigstreuen Enthusiasmus. In beiden
Kammern waren die royalistischen Eiferer in der Mehrheit; es
konnte von einzelnen Deputierten der Antrag gestellt werden,
für die Aufpflanzung der Trikolore an Stelle der schon gesetzlich
gültigen Deportation die Todesstrafe zu setzen; und ein Heißsporn
wünschte die Abschaffung der Guillotine als eines königsmörderi—
schen Werkzeugs und die Wiedereinführung des Galgens „avec
tous ses privildges“. Es war ein Treiben, das schließlich sogar
den König anwiderte; er hat die Chambre introuvable aufgelöst,
worauf eine etwas liberaler gestimmte Vertretung folgte. Doch
trat Frankreich fast gleichzeitig, auf dem Aachener Kongreß der
Heiligen Allianz vom Jahre 1818, dieser Allianz bei; die
Okkupationstruppen der allgemeinen europäischen Koalition,
die immex noch in Frankreich standen, wurden zurückgezogen;
und der Zar und der König von Preußen besuchten ihren
S. dazu Band IX, S. 380.
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