Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

358 Vierundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
Metternichs war, in ganz Italien durchgreifen zu können; nur 
England sprach sich für Nichtintervention aus. Nachdem Oster⸗ 
reich schon auf dem Troppauer Kongreß der Heiligen Allianz, 
1820, beauftragt worden war, die Ruhe in Italien herzustellen, 
erschien König Ferdinand im Jahre 1821 selbst auf dem Kongreß 
zu Laibach und fügte sich dem Beschlusse der Mächte, mit 
österreichischen, ja unter Umständen auch russischen Truppen 
die Revolution in Neapel niederzuschlagen. Darauf rückten 
die Osterreicher ein; fast widerstandslos besetzten sie Süditalien, 
im Jahre 1821 war die Restauration auch in Sizilien voll⸗ 
zogen; österreichische Truppen sollten noch auf drei Jahre das 
Land besetzt halten. Und unter ihrem Schutze begann nun 
ein volles Restaurationstreiben und wurde noch stärker fort⸗ 
gesetzt, als Franz J. im Jahre 1825 seinem milderen Vater 
Ferdinand folgte. 
Inzwischen war aber auch im Norden Italiens, im Rücken 
der österreichischen Truppen, in Piemont, die Revolution aus⸗ 
gebrochen, und eine Zeitlang war die Befürchtung nicht un— 
begründet, ganz Italien möchte in einem Brande zusammen⸗ 
lohen, den zu löschen sich Österreichs Heere nicht gewachsen 
zeigen würden. Indes die piemontesische Bewegung erwies 
sich als allzusehr außerhalb des Zuges der damaligen zentra⸗ 
listischen Strömung stehend, wenngleich auch sie auf ein 
italienisches Einheitsreich als letztes Ziel hinauslief; zudem 
wurde sie im Vertrauen auf die Hilfe des Thronfolgers Karl 
Albert unternommen, die nachher versagte: und platzte in dem 
Augenblicke los, da das Geschick der neapolitanischen Revolution 
in dem Treffen von Rieti schon unglücklich entschieden war. 
Und so gelang es denn schon im April 1821 österreichischen 
und piemontesischen Truppen, sie zu unterdrücken. 
Es war der Moment, von dem an Italien für lange 
Zeit ruhig geblieben ist; sogar die durch die französische Juli— 
revolution des Jahres 1830 ausgelöste allgemeine Bewegung 
ging verhältnismäßig folgenlos an ihm vorüber. Die öster— 
reichische Verwaltung und Politik aber wurde von diesem Zeit— 
punkte an wirklich drückend; ein politisches Sykophantentum
	        
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