Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Frühromantik. 
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bilität tauchten auf, von deren für die Romantik charakteristischem 
Emporkommen schon erzählt worden ist. Da hob, wie stets in 
solchen Zeiten, eine Umwertung der Werte an, vor allem der 
sittlichen. Denn längst schon hatte man das alte Glückseligkeits— 
ideal des Rationalismus verlassen; jetzt aber verließ man auch 
und vielleicht noch lieber den Rigorismus des kategorischen Im— 
perativs. Daneben kokettierte man gelegentlich wohl mit all⸗ 
gemeiner Tugendstrenge, und ergoß sich gelegentlich auch 
archaisch in Empfindsamkeiten des Herzens. Theoretisch ver— 
suchte man dabei wohl noch dem Imperative Kants das angeb— 
liche höhere Recht der „Stimme der Natur“ im Menschen im 
Sinne Jacobis entgegenzusetzen oder mit Schiller die Strenge 
der christlichen und Kantschen Forderungen durch das Streben 
nach einer sittlich-ästhetischen Kultur zu mildern; oder man 
hob sich endlich durch Schwelgen in einem möglichst universalen 
Begriffe der Humanität über alle greifbaren Forderungen 
hinweg. Das Endergebnis aber war natürlich immer dasselbe: 
ein haltloses Schwanken auf den dunkeln Wässern des eigenen 
Ichs. Oder wie man es auf romantisch ausdrückte: „Der 
sittliche Mensch bewegte sich aus eigener Kraft frei um seine 
Achse.“ Natürlich aber war diese Achsenbewegung neologistisch. 
Und deutlich erkannte man auch hier wiederum selbst das Ende: 
„Die erste Regung der Sittlichkeit ist Opposition gegen die 
positive Gesetzlichkeit und konventionelle Rechtlichkeit, und eine 
grenzenlose Reizbarkeit des Gemüts. Kommt dazu noch die 
selbständigen und starken Geistern so eigene Nachlässigkeit und 
die Heftigkeit und Ungeschicklichkeit der Jugend, so sind Aus— 
schweifungen unvermeidlich, deren nicht zu berechnende Folgen 
oft das ganze Leben vergiften.“ Gab man aber darum den Weg 
der praktischen Umwertung der Werte auf? Es war der Gang 
der Dinge, daß dies nicht geschehen konnte. Sittsamkeit war nach 
Schlegel, und nicht bloß in der „Lucinde“, das, was die Menge 
Schamlosigkeit nennt; und Brentano hat die „Philistermoral“ 
nicht nur Unmoral genannt, er, und mit ihm Zacharias Werner, 
Tieck, Arnim und andere, haben auch nach diesen Maximen, wenn 
auch unter sehr verschiedenen Intentionen, zu leben gesucht.
	        
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