374 Vierundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel.
Frankreich nichts einzuwenden vermochte, und ließ dadurch
den Revolutionen eine bedeutende moralische Stärkung zuteil
werden.
Allein diese Stellungnahme wurde schließlich nicht bei⸗
hehalten. Als Metternich, der sich Italien gegenüber keines⸗
wegs des Nichtinterventionssatzes erinnerte, die österreichischen
Truppen einmarschieren ließ, als diese in Bologna als Befreier
von mancher Not der Revolution und Konterrevolution freudig
empfangen wurden: als Metternich weiter nicht übel Lust zeigte,
die Legationen vom Papste für Österreich zu fordern: — da griff
auch Frankreich ein. In der Nacht vom 22. zum 283. Februar
1832 nahm ein französisches Geschwader Hafen und Stadt
Ancona durch einen Handstreich.
Nun konnte dieses Ereignis, das in Europa ungeheures
Aufsehen erregte, allenfalls noch in liberalem Sinne gedeutet
werden; und in der Tat wurde Ancona zum Sammelplatz aller
freien Seelen Italiens. Allein bald schlossen die Franzosen
selber gerade diese Deutung aus. Als sich zeigte, daß ihr Ein—
greifen ihr nationales Prestige in Italien, das sie seit dem
15. Jahrhundert jederzeit zu erhalten eifrig bemüht waren,
gerettet hatte, vertrugen sie sich mit den sterreichern; und als
beide Mächte schließlich, im Jahre 1838, ihre Truppen aus
den Ländern des Kirchenstaates zurückzogen, waren die meisten
Spuren der revolutionären Bewegung von 1830 getilgt.
Nun hätte eine durchgreifende Politik Frankreichs gegenüber
den Mittelmeerstaaten allerdings an sich sehr wohl mit einer
inneren Politik des Liberalismus vereinigt werden können:
dann nämlich und dadurch, daß sie strikt national gewesen
wäre. Allein bald zeigten weitere Ereignisse in Spanien, daß
sie das keineswegs war, sondern daß Louis Philipp in seiner
äußeren Politik eigentlich durch grundsätzlich legitimistische, ja
schließlich sogar nur dynastische Interessen geleitet wurde.
In Spanien hatte in den zwanziger Jahren die schlimmste
aller europäischen Restaurationsregierungen geherrscht; auch
waren bis 1828 französische Okkupationstruppen in den
Festungen geblieben. Zu alledem kam seit 1830 noch die Un⸗