Full text : Neueste Zeit (Abt. 3)

Politische Restauration; wirtschaftliche Fortschritte. 377

ergab sich Gelegenheit, auch weiterhin in der Levante Einfluß
zu gewinnen. Im Jahre 1832 eroberte der nie ruhige und
nimmersatte Vizekönig Mehemed Ali von Agypten Syrien und
drang gegen die Türkei, die durch die Ereignisse des griechischen
Aufstandes geschwächt war, bis Skutari vor. Es war eine
unmittelbare Bedrohung des Sultans, die sich der Zar, der
sich schon als der natürliche Vormund und Erbe der türkischen
Herrschaft ansah, nicht bieten ließ: er war zum Einschreiten
bereit. Da hinderte Frankreich eben in diesem Augenblicke
einen vollen Erfolg Rußlands und schob zugleich Mehemed
Ali noch bedrohlicher in die Nähe Konstantinopels, indem es
zwischen ihm und dem Sultan den Präliminarfrieden von
Kutahia, vom 4. Mai 1833, vermittelte, wonach Mehemed
Syrien unter der Oberhoheit der Pforte erhielt. Kaiser
Nikolaus war höchst entrüstet über diesen französischen Erfolg,
der ungefähr mit der Besetzung Anconas und mit der Kon—
stituierung des Königreichs Belgien zusammenfiel; doch ver—
mochte er die Abmachungen nicht zu verhindern. Dagegen
glaubte er durch einen Vertrag vom 8. Juli 1833, zu Hunkiar
Iskelessi, weitere Fortschritte Frankreichs vereiteln zu können,
indem er sich verpflichtete, der Türkei bei jeder drohenden Ge⸗
fahr auf Ansuchen zu Hilfe zu kommen, während die Hohe Pforte
die Dardanellen für fremde Kriegsschiffe schloß.
In diesen Verwicklungen hatten nun Frankreich und Eng⸗
land noch gegen Rußland zusammengestanden. Allein als
Mehemed Ali auch nach dem Vertrage von Kutahia seine Er—
oberungszüge fortsetzte und im Jahre 1839 ein türkisches Heer
bei Nisib völlig schlug, und als gleichzeitig dem kraftvollen
Sultan Mahmud in Abdul Medschid ein sechzehnjähriger Knabe
folgte, änderte sich das. Jetzt gelang es Rußland leicht, Eng⸗
land auf seine Seite zu ziehen: denn es lag keineswegs in
Englands Interesse, daß der ganz in französischem Fahrwasser
befindliche Mehemed den festen Besitz Syriens erhielt und
damit die englisch-indischen Beziehungen beherrschte. Und so
vollzog sich denn, da auch die deutschen Mächte und insbesondere
Hsterreich sich gegen eine Alleinherrschaft Frankreichs guf dem
            
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