Politische Restauration; wirtschaftliche Fortschritte. 391
der Restauration, namentlich in Wien, war furchtbare Ent—⸗
rüstung die Folge; Metternich fuhr energisch gegen Karl August
von Weimar, den „Altbursch“, wie er ihn nannte, los, und
wollte den Deutschen Bund gegen die Emvörer polizeilich
mobil machen.
Indes dies ging bei der Unreife der Bundesverfassung,
der keinerlei Ausführungsorgane zur Seite standen, nicht auf
direktem Wege; nur die Vereinbarung einiger größerer Staaten
zu einer Pression auf den Bundestag und zur Willigkeit eigener
Ausführung konnte hier fördern.
Dabei bedurfte es aber vor allem der Teilnahme Preußens.
In Preußen war die Reaktion gegen den Geist der Freiheits⸗
kriege und der Steinschen Reformen nach 1815 um so stärker
gewesen, je höher der Aufschwung vorher getragen hatte. Schon
wenige Wochen nach Belle⸗Alliance hatte der Geheimrat Schmalz,
der erste Rektor der Berliner Universität, Stein, Schleiermacher,
Arndt und andere Träger erlauchter Namen als Verschwörer
und Revolutionäre verdächtigt und die Befreiung des Vater—
landes als auf Befehl allein des Königs erfolgt geschildert.
Diesem Angriffe hatte dann freilich ein Heer entrüsteter Gegen—
schriften geantwortet; bis tief in das Jahr 1816 hinein zogen
sich literarische Kämpfe. Allein bald zeigte sich, daß König
und Regierung das Unwesen zu stützen geneigt waren. Schon
im Januar 1816 war der Rheinische Merkur unterdrückt worden,
dann nahm Gneisenau, der in Koblenz als Gouverneur der
Rheinlande residiert hatte, seine Entlassung; der Lauf des
Jahres sah das Zurückschrecken der Regierung vor dem An⸗
drängen der agrarischen Reaktion; und schon 1817 stand
Preußen „moralisch tiefer in der öffentlichen Meinung am
Rhein und in ganz Süddeutschland, als die österreichischen
Papiere im öffentlichen Kredite je gestanden hatten“. Jetzt,
nach 1817, wollte es das Zusammenfallen zweier unglücklicher
Ereignisse, daß Metternich den Preußenkönig ganz für sein
System und seine Absichten gewann. Am 23. März 1819
ermordete der Student Sand, ein Jenaer Burschenschafter,
den russischen Staatsrat Kotzebue, der als ein Söldner im