Politische Restauration; wirtschaftliche Fortschritte. 395
Württemberg schließlich den Herrn von Wangenheim abberufen
und einige Stuttgarter Zeitungen unterdrücken; und auch
andere Gesandte kehrten Frankfurt den Rücken.
Seit Sommer 1823 war damit der Bundestag gereinigt,
im Jahre 1824 konnte man die Karlsbader Beschlüsse unter
Verschärfungen erneuern, die kleinen Fürsten waren in ihrer
bundestäglichen Stellung halb mediatisiert, auch die mittleren
fügten sich. Die Veröffentlichung der Bundesverhandlungen
wurde allmählich eingestellt, äußere Politik wurde jetzt erst
recht nicht mehr getrieben, sogar die Befreiung des Rheins
von ungerechtem holländischem Zollschluß mußte Preußen 1831
allein durchsetzen: der hohe Bundestag war nur noch Polizei⸗
institut in den Händen der beiden Großmächte.
Der ganze Ingrimm der Nation über diesen eklen Verfall
aber häufte sich auf Preußen. Von sterreich hatte man
nichts anderes erwartet, in Preußen sah man sich getäuscht.
Am 31. März 1824 aber schrieb der Prinz Wilhelm von
Preußen, der nachmalige Kaiser Wilhelm J.: „Hätte die Nation
1813 gewußt, daß nach elf Jahren von einer damals zu er⸗
reichenden und wirklich erreichten Stufe des Glanzes, Ruhmes
und Ansehens nichts als die Erinnerung und keine Realität
übrigbleiben würde, wer hätte damals wohl alles aufgeopfert,
solchen Resultates halber? Die Aufstellung jener Frage ver—
pflichtet auf das heiligste, einem Volke von elf Millionen
(Preußen) den Platz zu erhalten, welchen es durch Aufopfe—
rungen erlangte, die weder früher gesehen worden sind noch
werden gesehen werden.“ —
In der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre erlahmte das
politische Interesse in Deutschland fast völlig, und somit schliefen
auch die Institutionen des durchlauchtigsten Bundestages zur
Unterdrückung der nationalen und liberalen Agitation all—
mählich ein.
Mitten in diese Traumseligkeit, die den vorhandenen In⸗
grimm nur verhüllte, nicht zerstörte, fiel die Nachricht von der
Pariser Julirevolution. Und nun kam es vielerorts in Deutsch—
land zu aufständischer Bewegung; auf preußischem Gebiete in