Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Politische Restauration; wirtschaftliche Fortschritte. 411 
mit alledem stärkere Körner⸗- und Viehproduktion — ja eine 
stärkere Produktion auch an Menschen eben in den besonders 
— D 
mehrte Arbeitskräfte des platten Landes. Zu alledem kam 
dann wenigstens für den Nordosten noch eine besondere Kon⸗— 
junktur seit etwa 1760: die Zunahme des Bedürfnisses nach 
fremden Landesprodukten in Schweden, in Holland und vor 
allem in England, die den norddeutschen Gutsherrschaften 
stärksten Antrieb für Vermehrung der Getreide- und auch der 
Wollproduktion gab. Und es versteht sich, wie dies alles ganz 
allgemein doch auch dem kleinen Mann und dem Bauern 
zugute kommen mußte: beide lebten unter dem Einflusse steigender 
Erträge, wobei der Bauer in der Nähe der größeren Städte 
schon im Gemüsehandel und im Vertrieb von Handelsgewächsen 
zum kleinen Unternehmer wurde, während der Großbauer den 
neuen Segen zur Ernährung einer stärkeren Familie und zur be— 
häbigeren Ausgestaltung seiner Lebenshaltung verwenden mochte. 
Am entschiedensten spürbar aber war der wirtschaftliche Erfolg 
doch für den Junker im Nordosten: er wurde jetzt tatsächlich 
schon oft ganz ein Unternehmer, der nach den Anforderungen des 
Marktes zu arbeiten begann, und auf Grund der noch hörigen 
Arbeitskräfte entwickelte sich bei ihm jene Straffheit und viel⸗ 
fach Freiheit der wirtschaftlichen Disposition zugleich, die ihn 
im Beginn des neuen Jahrhunderts agrar- und sozialpolitischen 
Reformen, insbesondere der Emanzipation der Bauern, so 
wenig zugänglich machte. 
Einen besonderen Aufschwung aber erhielt nun das Wirt⸗ 
schaftsleben des platten Landes noch durch eine höchst beträcht— 
liche Vermehrung der Barmittel und des Edelmetalls innerhalb 
der deutschen Grenzen, die ein allgemeines Steigen der Preise 
und damit vor allem auch der agrarischen Erzeugnisse, trotz 
deren vermehrter Produktion, zur Folge hatte. Da waren zu—⸗ 
nächst im 18. Jahrhundert außerordentliche Mittel aus Frank— 
reich als Subsidien- und Bestechungsgelder deutscher Fürsten 
ins Land geflossen, und diese Quelle versiegte auch während 
der Freiheitskriege noch nicht ganz, insofern englische Subsidien
	        
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