Politische Restauration; wirtschaftliche Fortschritte. 428
Platze; aber sie hatten sich staatlichen Anschauungen anderen
Ursprungs durchaus noch zu fügen, zumal sich ergab, daß
unter dem neuen Gesetze die modernen Formen des Wirt—
schaftslebens, vorweg die Industrie, aber auch der Handel
ihre volle Rechnung fanden.
Im übrigen begreift sich, daß die Fürsorge für die Ent—
faltung des modernen Wirtschaftslebens, die nun, unabhängig
von aller Sozialpolitik, als ein Ziel des Staatslebens er—
kannt wurde, jetzt auch auf anderen Gebieten durchgriff. So,
im Zusammenhange mit der Zollgesetzgebung, namentlich auch in
Schiffahrtsverträgen. Der Aufschwung des Schiffbaues und
damit auch der Reederei war seit Mitte des 18. Jahrhunderts
namentlich in der Ostsee, wo der Deutsche sich freier bewegen
konnte als in der Nordsee, ziemlich bedeutend gewesen; der
Schiffsverkehr hatte dann vor allem von etwa 1780 bis 1806,
begünstigt durch die Kriege und die allgemeinen Weltverhältnisse,
außerordentlich zugenommen. Dann freilich ereilte ihn fast
der Todesstoß; mit der Kontinentalsperre verfiel die Handels⸗
flotte der Vernichtung durch die Engländer, und ähnlich wie
die Vereinigten Staaten haben Preußen und Deutschland erst
etwa von 1840 bis 1860 wieder die Größe der Handelsmarine
aufgewiesen, die sie schon 1804 -1807 erreicht hatten. Allein
der Umschwung zum Besseren wurde doch schon gleichzeitig mit
dem neuen Zollgesetz herbeigeführt, indem Schiffahrts- und
Handelsverträge mit Dänemark (1818), Großbritannien (1824),
Schweden-Norwegen (1827), Mecklenburg-Schwerin (1827),
Brasilien (1827), den Hansestädten (1828) und den Vereinigten
Staaten (1828), obwohl jeder einzelne an sich nicht besonders
günstig, doch in ihrer Gesamtheit die Reederei wieder erstehen
ließen: so daß der deutsche Ostseehandel ziemlich durch die
ganze erste Hälfte des Jahrhunderts hindurch dem Nordsee—
handel die Wage hielt, obwohl eben dieser wenigstens zum
Teil, besonders in Hamburg, durch die Kontinentalsperre und
das mit ihr verbundene Schmugglergeschäft nicht wenig ge—
wonnen hatte.