32 Vierundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.
der ersten subjektivistischen Periode, welche einen neuen Na—
turalismus und damit den Anfang einer neuen, zweiten
Periode vorbereiten mußte.
I.
Das Gefühlsmäßige des Denkens ist es gewesen, das auch
die romantische und vor allem die frühromantische Philosophie
in hohem Grade beherrscht hat: ja man kann sagen, daß die
starke Betonung eben dieses Elementes und damit eine be—
sondere Mystik das eigentlich Bezeichnende für das Denken
dieser Zeit war.
Freilich: war dies Element an sich in der deutschen, ja
in der allgemeinen abendländischen Philosophie selbst des in⸗
dividualistischen Zeitalters etwas so Unerhörtes? Metaphysik
ist ohne Phantasie- und Gemütserregung nicht denkbar. Von
eigentlichem Interesse ist daher vornehmlich nur die Beobachtung,
in welchen Formen und Übergängen sich dies Element aus
Individualismus und Rationalismus heraus zu der Mystik der
frühromantischen Weltanschauungen steigerte.
Das deutsche Denken des 16. und 17. Jahrhunderts war
der Hauptsache nach in zwei Richtungen verlaufen.
Im inneren Deutschland hatte man in kühner Abwendung
von den unfruchtbaren Syllogismen der Scholastik, in deren
Gestrüpp sich die Theologie beider Konfessionen anscheinend
unlösbar verwickelt hatte, den Flug in höchste Höhen genommen
und mit Eins einen neuen Inhalt des Denkens zu ergreifen
gesucht. Es war in dem völlig mystischen Zuge pandyna—
mistischer Systeme geschehen!.
Aber hatte nun die Gedankenwelt dieser Mystiker, selbst
die des besten und größesten unter ihnen, Jakob Boehmes,
wirklich den Segen der Beruhigung gespendet? In der Ent—
faltung animistischer Naturphantasien an die Wissenschaft eines
Paracelsus und seiner Jünger angelehnt, mußte sie allein
Vgl. Band VI S. IIGS ff.