Die Frühromantik.
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schon mit der glänzenden Entwicklung der mechanischen Natur—
wissenschaften seit spätestens der Mitte des 17. Jahrhunderts
zugrunde gehen. Dazu begann ihr um diese Zeit auch ihr
subjektiver Nährboden entzogen zu werden, die mystische Sehn—
sucht des religiösen Gemütes. Denn jetzt löste sich das Christentum
der Frommen immer mehr aus der orthodoxen Umschlingung;
schon hatte Arnd erbaut und Spee gesungen; bald wurden die
eigentlichen pietistischen Strömungen lebendig, und empfindungs⸗
volle Seelen, die früher pandynamistischen Lehren zugefallen
sein würden, fanden ihre Ruhe jetzt in der Beschaulichkeit
frommer Zirkel!.
Aber auch der andere Zweig des deutschen philosophischen
Denkens, der niederländische, hatte inzwischen, wenn er sich
auch ganz anders entwickelte, kaum zu einem andern Ergebnis
geführt.
In den Niederlanden war im Verlaufe des 16. Jahr—
hunderts die Neigung der freien Geister nicht minder mystisch
zewesen als in Binnendeutschland: neben den großen evan⸗
gelischen Konfessionen hatte die Sektenbildung der Täufer ge—
wuchert. Und wenn neben ihnen eine Richtung auf die Aus—
bildung einer rationalistischen Naturreligion aufgetreten war,
so war sie doch in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts so
wenig erstarkt, daß sie ihre Vollendung schließlich nur in Eng⸗
land finden konnte. Der mystischen Haltung der freieren Geister
war dann gegen Mitte des 17. Jahrhunderts nicht minder
und immer mächtiger das System des Descartes entgegen⸗
getreten, des französischen Adoptivkindes der Republik. Denn
indem es nicht so sehr auf eine abgeschlossene Metaphysik und
ein mit ihr gegebenes Verständnis der Welt ausging, wie auf
eine scheinbar klare Methode des Denkens, nämlich die der
mathematischen Analogie, förderte es zunächst das Selbst—
bewußtsein als die eine deutlich feststehende Tatsache des
Denkens zutage und behauptete Gott und Welt als von ihm
aus deduktiv beweisbar. War nun aber dieses System frei
S. Band VI, 116 ff., 202 ff.; VII, 167 ff.
Lamprecht, Deutsche Geschichte. X.