00 Vierundzwanzigstes Buch. Fünftes Kapitel.
hegelsche philosophisch-theologische Radikalismus in den nunmehr
auftauchenden politischen Radikalismus verloren, von dem wir
bald hören werden!.
Die gesunden Bestandteile aber, die auch diese Lehre ent⸗
hielt, verband bald darauf Ludwig Feuerbach (18044 1872)
mit neuen Elementen des aufkommenden Realismus zu einer
Weltanschauung oder vielleicht richtiger zu einer Methode der
Weltanschauung, die die erste Hälfte der vierziger Jahre weit—
hin beherrscht hat, und die dem Christentum einen letzten Stoß
zu versetzen schien.
Feuerbach setzte dem transzendenten Idealismus Schellings
und insbesondere Hegels, dessen Schüler er übrigens war, einen
irdischen, realen Idealismus entgegen. Er verzichtete aus⸗
gesprochenermaßen auf die dünne Luft der Spekulation; er
gedachte auf die reine Kenntnis des Menschen bauend der
Humanität ein edles Heim auf dieser Erde zu errichten. Natür⸗
lich kam er in diesen Bestrebungen mit der Identitätsphilosophie
in Konflikt. Aber der Kampf mit den Hegelianern hatte schon
um 1840 nicht mehr viel zu besagen. Wichtiger war, daß
Feuerbach bereits durch seine Schrift, Vom Wesen des Christen⸗
tums“ (1841), die er später selbst als dessen Kaiserschnitt bezeichnet
hat, in unmittelbaren Kampf mit allem Kirchlichen gebracht wurde.
Und der Zwist verschärfte sich noch durch ein späteres Buch „Vom
Wesen der Religion“ (1845). Was Feuerbach in diesen Zeiten
wollte, hat er in den Fragmenten zur Charakteristik feines
philosophischen Curriculum vitas? in dem Satze zusammen⸗
gefaßt: „Jetzt gilt es vor allem, den alten Zwiespalt zwischen
Diesseits und Jenseits aufzuheben, damit die Menschheit mit
ganzer Seele, mit ganzem Herzen auf sich selbst, auf ihre Welt
und Gegenwart sich konzentriere; denn nur diese ungeteilte
Konzentration auf die wirkliche Welt wird neues Leben, wird
wieder große Menschen, große Gesinnungen und Taten zeugen.“
Es war eine Aufgabe, die offenbar mehr auf Paränese und
S. unten S. 5305 ff.
2 Sämtliche Werke 2, 889 (Leipzig 1846 1848).